Pioniere bewiesen Mut und Sportsgeist
TuS Westfalia Vorhelm
Wer kennt noch die Namen der alten Sportskameraden? Dieses undatierte Foto aus den frühen 1960er Jahren stammt aus dem Archiv der TuS Westfalia Vorhelm und soll in die geplante Chronik zum 100-jährigen Bestehen des Vereins integriert werden.
TuS Westfalia Vorhelm

Glaubt man den Aufzeichnungen aus der Anfangszeit, hatten die Gründer der TuS Westfalia Vorhelm mit so manchem Vorurteil zu kämpfen. Während es vor 100 Jahren in vielen Städten der Umgebung schon Sportvereine gab und sich gerade Fußball zu einem Volkssport entwickelte, hatten viele Bewohner der ländlichen Gegenden noch Bedenken und Vorurteile.

„Selbst Vikar Heinrich Geu­king, der von 1905 bis 1912 in Vorhelm wirkte und um das Jahr 1910 innerhalb der Jungmänner-Sozietät das Fußballspiel hier einführte, hatte diese Vorurteile nicht abbauen können“, heißt es in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Turn- und Spielvereinigung. Und trotzdem setzten sich die Herren, allesamt im Alter zwischen 20 und 25 Jahren, am Ende durch: An einem Sonntagmorgen im Sommer 1920 hoben die Pioniere in der Gastwirtschaft Witte mit „Spiel und Sport Vorhelm“ ihren eigenen Verein aus der Taufe und bewiesen damit Mut und Sportsgeist. Parallel dazu bestand ab 1921 die DJK Fortuna-Wacker Vorhelm (später DJK Westfalia Vorhelm), die jedoch durch die neuen Machthaber im Deutschen Reich 1933 keine Zukunft mehr hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte dann der Zusammenschluss des FC Westfalia mit dem 1933 gegründeten Vorhelmer Turnverein.

„Leider gibt es von diesen denkwürdigen Gründerjahren keine Zeitzeugen mehr“, bedauert Tim Remmert. Gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe erstellt der Vorhelmer, der viele Jahre selbst aktiv auf dem grünen Geläuf war, eine umfangreiche Festchronik zum 100-jährigen Bestehen. Zum festen Mitarbeiterstab zählen außerdem Johanna Fleuter, Leon Schwarte und Tobias Witte. Unsere Zeitung sowie das Archiv des Heimatvereins Vorhelm steuern dazu Bildmaterial bei – unter anderem aus dem Bestand von Theo Keseberg, der die TuS Westfalia über Jahrzehnte dokumentarisch begleitet hat.

„Als klar war, dass das große Festprogramm zum Jubiläum wegen der Corona-Pandemie ausfallen muss, haben wir zunächst gezögert“, erklärt Leon Schwarte. „Aber letztlich haben wir uns dazu entschlossen, die Chronik dennoch fertigzustellen, denn das 100-Jährige bleibt ja unausweichlich mit 2020 verbunden, auch wenn die öffentliche Feier wohl erst im kommenden Jahr nachgeholt werden kann.“

Fest steht schon jetzt, dass sich der gedruckte Rückblick von den bisherigen Festschriften abheben wird. „Wir haben heute ganz andere Quellen und nutzen Material, das noch nie veröffentlicht worden ist“, sagt Remmert und verweist in diesem Zusammenhang auf einen besonderen „Schatz“: Seltene Farbdias aus den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie helfen beispielsweise Tobias Witte, die Entwicklung der Platzanlage und des TuS-Clubheims von einer hölzernen grünen Hütte über erste gemauerte Kabinen bis hin zum heutigen Sportpark nachzuvollziehen.

„Bei den vielen Mannschaftsfotos, die uns inzwischen vorliegen, ist es natürlich unser Anspruch, möglichst alle Namen der Abgebildeten zusammenzubekommen“, sagt Johanna Fleuter. „Das wird wahrscheinlich nicht bei jedem Foto klappen.“ Aber das Chronik-Team setzt auf die Unterstützung älterer Vorhelmer und möchte den einen oder anderen zur Bildersichtung einladen, bevor das Werk in Zusammenarbeit mit dem Ahlener „Anno-Verlag“ in den Druck geht. Einen genauen Erscheinungstermin gibt es noch nicht. „Durch den Fest-Ausfall haben wir zum Glück jetzt etwas mehr Luft bei der Umsetzung“, so Remmert.

von Christian Wolff

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