Plötzlich ist Soma ganz nahe
Bild: Voss-Loermann
Die Ahlener (v.l.) Bülent Cekirge, Mustafa Cantürk und Sedat Kurt zeigten sich äußerst betroffen von dem Grubenunglück in Soma, in dessen Nähe zahlreiche Verwandte leben.
Bild: Voss-Loermann

Zu Gast am Donnerstagabend bei Bülent Cekirge sind dessen Schwager Mustafa Cantürk und Sedat Kurt. Die Betroffenheit ist groß, denn Mustafa Cantürk stammt aus dem kleinen Ort Savastepe, das für Soma, so erklären die Männer, in etwa so ist wie Dolberg für Ahlen.

Soma liegt in der Nähe des Ägäischen Meeres, Pergamon ist nicht weit, und bis nach Izmir sind es 140 Kilometer. In Savastepe und Soma lebten Verwandte und Freunde zahlreicher türkischstämmiger Ahlener, erzählen die Männer. Darüber hinaus arbeitet Sedat Kurt als Bergmann auf der Zeche in Ibbenbüren und fühlt sich sehr nah dran an den Kumpel in Soma: Was da mit seinen Kollegen und Landsleuten passiert, ist für den Mittvierziger mehr als belastend.

„Das Bergwerk in Soma ist sehr groß und bietet den Menschen Arbeit und Versorgung“, erklärt Mustafa Cantürk. Deshalb graben so viele der Männer, die eigentlich Bauern waren, nun täglich unter der Erde nach Kohle. Sedat Kurt erzählt, wie er von der Tragödie erfuhr. „Ich hatte vor dem Tag des Unglücks Nachtschicht und legte mich anschließend hin. Als ich gegen 15 Uhr aufstand, schaltete ich den türkischen Sender ein. Dort wurde erstmals berichtet.“

Sedat Kurt, dessen Mutter in Soma lebt, griff sofort zum Telefon, doch seine Mutter hatte noch nichts von der Katastrophe mitbekommen. 18 Jahre lang habe er auf der Zeche Westfalen gearbeitet, schwere Unglücke habe es dort aber nie gegeben. „Man denkt auch nicht darüber nach, wenn man anfährt“, sagt er. In den vergangenen Tagen aber sei dies anders gewesen. „Man ist in Gedanken ständig bei den Männern in Soma, bei ihren Familien und Freunden“, sagt Sedat Kurt.

Die Väter und Großväter der Ahlener Männer seien gerade in der Türkei. Im Mai sei die Zeit, in der die Rentner Urlaub in der Heimat machten, sagt Bülent Cekirge. „Die bekommen das Schreckliche in Soma und Savastepe alles hautnah mit.“ Noch im Februar, so habe es den Worten Sedat Kurts zufolge geheißen, hätten die Behörden das Bergwerk überprüft. Es sei alles in Ordnung gewesen. Ob er das glaubt? Sedat Kurt zuckt ratlos mit den Schultern.

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