Porträt wird zum Fall für den Schredder
Bild: Voss-Loermann
Wahrlich keine Hackfressen haben (v. l.) Theo und Frank Huerkamp. An der gleichnamigen Aktion des Künstlers Laas Abendroth (r.) haben sie sich beim Sommerfest des Förderkreises Kunstmuseum im Kunstmuseum Ahlen dennoch beteiligt.
Bild: Voss-Loermann

Berührungsängste mit dem Mühlheimer Künstler, der gleichzeitig als Kritiker des normalen Kunstbetriebes auftritt, gibt es nicht. Abendroth zeichnet in Windeseile die jeweilige „Hackfresse“, seine Gegenüber fest im Blick, aber ohne ein einziges Mal auf das Papier zu schauen, das er unter dem Stift hat. Bevor die Porträtierten das Ergebnis genau betrachten können, ist das Blatt schon im Schredder verschwunden und kommt als gehäckseltes Etwas in eine durchsichtige Tüte. In diese eingeschweißt, ist aus dem Schnellporträt innerhalb von höchsten fünf Minuten ein Kunstwerk geworden.

Auch die übrigen Attraktionen des Sommerfestes sind gut besucht. Silke Linnemann, Vorsitzende des Förderkreises, begrüßt die Gäste mit einer kleinen Betrachtung des Themas „Was ist eigentlich eine Hackfresse?“, für die sie etliche Lacher erntet. In England, so Linnemann, habe man das unübersetzbare Wort aus dem Deutschen als eines der schlimmsten Schimpfworte übernommen. Bei bestem Wetter füllen sich Museum und Skulpturengarten immer mehr.

Während Museumsleiter Burkhard Leismann gemeinsam mit Laas Abendroth zu einer gut besuchten Führung durch die Sammlung des Hauses aufbricht, ist schon nach einer Stunde auf der Terrasse des Restaurants „Chagall“ kein Platz mehr zu bekommen. Im Skulpturengarten sitzen die Gäste auf der Wiese oder stehen im Schatten der Bäume. Denn dort hat das Duo Quartier Latin aus Amsterdam mit Leticia Bal (Marimba) und dem früheren Ahlener Paul Weiling (Saxophon) ein Heimspiel.

Im Museum erläutert Burkhard Leismann unterdessen die Objekte der Sammlung, die in jedem Raum auf unterschiedliche Weise von Werken Laas Abendroths begleitet und kommentiert werden. Daraus ergeben sich spannende Kontraste, denn der Künstler lässt es sich nicht nehmen, mit eigenen Objekten unter dem Ausstellungstitel „Kunst muss wieder weniger werden“ die etablierte Kunst in Frage zu stellen.

SOCIAL BOOKMARKS