Prozess: Audiodateien vorgespielt

In dem Prozess gegen die beiden 24 und 25 Jahre alten Männer am Landgericht Münster, die im August vergangenen Jahres in Ahlen eine heute 20-Jährige vergewaltigt haben sollen, sind am Mittwoch erneut Audiodateien Bestandteil der Verhandlung gewesen.

Die 20 Zuhörer im Gerichtssaal wurden Ohrenzeugen des Geschehens. Ein Speziallabor hatte die Audio- und Videodateien technisch aufbereitet. Gut sechs Stunden vernahmen das Gericht, die beiden Angeklagten (heute 24 und 25 Jahre alt), ihre Verteidiger und die Öffentlichkeit, was an besagtem Tag in der Wohnung des 24-jährigen Ahleners vor sich gegangen sein soll.

Was zunächst als Party mit Erzählungen über Ferienlager, Segeltörns, die Arbeit und einigen Tequilas anfing, ließ später einigen Zuhörern den Atem stocken. Der für die Dateiaufbereitung verantwortliche Sachverständige hatte zum besseren Verständnis Verschriftungen angefertigt, da die Worte streckenweise wegen der lauten Musik schlecht verständlich waren.

Die Verteidiger hatten die Aufbereitung der Dateien gefordert, da sie mehr über den Zustand der drei Beteiligten wissen wollten – darüber, wie orientiert oder steuerungsunfähig sie an diesem Tag aufgrund des Alkoholkonsums gewesen seien. Erstmals wurden von den Videos die Tonspuren öffentlich zu Gehör gebracht, die verständlicher waren als die reinen Audioaufnahmen.

Und so waren dann auch Geräusche und Stimmen zu der Situation zu hören, um die es in dem Prozess geht. Immer wieder war die junge Frau zu hören, die forderte, „Hör auf“, „Ich will nicht mehr“ und „Mir ist so schlecht“. In sachlichem Ton erklärte der 24-jährige Angeklagte dazu, dass dies nichts zur Sache tue und dass er sie liebe und heiraten wolle, dass er jetzt aber „sofort etwas anderes“ von ihr wolle. Als die beiden Männer mitbekamen, dass die damals 19-Jährige Hilferufe per SMS abgesetzt hatte, beeilten sie sich, ein Taxi zu rufen.

Der 25-Jährige hielt alles auf Audio und Video fest – bis zum Schluss, als die Ahlenerin nach Hause gebracht wurde, die beiden Männer danach den Abend Revue passieren ließen und sich dabei die Frage stellten, ob sie ihre Bekannte vergewaltigt hätten. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass dies nicht der Fall gewesen sei. Es sei alles nur „ein bisschen aus dem Rahmen gelaufen“, so der 25-Jährige.

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