Rathaus: Architekten sind für den Erhalt
Bild: Voß-Loermann
Für den Erhalt des Ahlener Rathauses kämpfen seit Monaten die Ahlener Architekten und Statiker (v. l.) Silke Anna Linnemann, Carsten Heitfeld, Agnes Weber, Matthias Blume, Stefanie Schürmann und Christian Tripp.
Bild: Voß-Loermann

Ihr stärkstes Argument ist die Vernunft, ein erneuerbares Gebäude nicht dem Erdboden gleichzumachen, um es nebenan ganz neu zu gründen und dann aufzubauen. Nachhaltigkeit, so Christian Tripp, sei das Gebot der Stunde, und dazu gehöre, die Gebäudesubstanz nicht komplett zu zerstören, sondern sie multifunktional umzugestalten.

Energiestandard wie bei einem Neubau möglich

Dabei, so Agnes Weber, sei es möglich, einen Energiestandard wie bei einem Neubau zu erreichen. Denn der Rohbau, so betonte Carsten Heitfeld, werde auch beim Neubau 40 bis 50 Prozent der bislang nicht seriös kalkulierten Baukosten beinhalten. Der Standort stimme einfach, meinte Christian Tripp.

Stefanie Schürmann wies auf die Flexibilität des Bestandsgebäudes hin. Möglich sei eine Teilung, Volkshochschule und Stadtbücherei könnten in dem Gebäude mit untergebracht werden, wenn nicht aller Raum als Rathaus genutzt werden müsse.

Risilko bei Neugründung im Fließsand

Von einem Multitalent sprach die Architektin, und Silke Anna Linnemann gab ihr Recht. Es gehe bei der Verwaltung der Zukunft darum, vorhandene großzügige und ruhigere Bereiche entsprechend zu nutzen. Darüber hinaus sei das Risiko der Neugründung im Fließsand des Werseufers unkalkulierbar.

Büros für Mitarbeiter sehr klein

„Dieses Argument hat seitens der Stadtverwaltung noch niemand zu widerlegen versucht, weil es keine Erkenntnisse dazu gibt“, sagte Linnemann. Viele der Beschäftigten sähen nur, wie schön der Neubau werde, doch sie übersähen, wie klein ihre Büros würden und wie schwierig die Zeit davor wäre.

Keine konkreten Planungen für Neubau

„Bezeichnend ist doch, dass es für den Neubau noch keine konkreten Planungen gibt, die Zahlen dafür aber schon genannt werden“, zeigte sich Tripp nicht überzeugt von den nach Ansicht der Baufachleute unausgegorenen Kostenaufstellungen. Dabei gehe es im Falle eines Erhaltes nicht um eine Renovierung des bestehenden Rathauses, sondern um eine komplette Neugestaltung. Dabei fielen alle Gründungskosten weg, was die offiziellen Berechnungen unseriös mache, die davon ausgingen, die Erneuerung werde teurer als ein Neubau.

Stadt hat Hausaufgaben nicht gemacht

Ebenfalls für unseriös erachten die Baufachleute Christian Tripp, Matthias Blume, Carsten Heitfeld, Stefanie Schürmann, Silke Anna Linnemann und Agnes Weber das Vorgehen der Stadt, erst einen Neubau zu beschließen, und sich anschließend in anderen Städten über dort neu gebaute Rathäuser zu informieren. „Sie haben schlichtweg ihre Hausaufgaben nicht gemacht“, so Christian Tripp.

Zahlen in Gutachten sind unverbindlich

Denn vor einer Entscheidung über Abriss und Neubau hätte sinnvollerweise zuerst eine Bedarfsplanung erfolgen müssen. „Die Zahlen in den Gutachten sind alle unverbindlich“, meinte auch Matthias Blume und sprach, wie die übrigen fünf Architekten, der Stadt Ahlen eine seriöse Planung ab. „Die Stadt Ahlen verhebt sich finanziell mit dem Projekt“, blickte Silke Anna Linnemann besorgt in die Zukunft. Das gelte auch für die Stadthalle, über die man aber an anderer Stelle noch sprechen werde, so die Architekten.

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