Rückkehr eine „menschliche Tragödie“

Als Asylbewerber sind die Vier Anfang 2012 nach Deutschland gekommen. Ihre erste Anlaufstelle war das Aufnahmelager in Dortmund. Von da aus ging es weiter ins Übergangswohnheim am Hermesweg in Ost-Dolberg. wo sie in einem kleinen Zimmer auf wenigen Quadratmetern untergebracht waren. Seit Anfang des Jahres leben der 38-jährige Sabed Baranowska, seine Ehefrau Shadir (37) und die beiden Töchter Virginia (18) und Zimrita (15) in einer Wohnung am Schwagersweg. Doch davon muss die Familie nun Abschied nehmen, weil die vorübergehenden Aufenthaltsgenehmigungen nicht mehr verlängert wurden.

„Die Familie ist super integriert, und besonders die Kinder sprechen mittlerweile perfekt deutsch“, wundert sich Knöpker über die Kreisverwaltung. Auch schulisch seien die Mädchen gut dabei. „Nach einem Praktikum sind beiden Ausbildungsplätze nach dem Schulabschluss in Aussicht gestellt worden“, sagt sie.

Für Knöpker steht fest: „Freiwillig verlässt die Familie nicht Deutschland.“ Vielmehr geschehe die Ausreise auf Druck der Ausländerbehörde. „Das ist traurig.“

Schwer fällt die Rückkehr nach Mazedonien insbesondere den Kindern. „Ich habe hier viele Freundinnen, die ich vermissen werde“, berichtet Zimrita. Das trifft auch auf ihre ältere Schwester zu. Die hat aber noch andere Sorgen. Nicht nur in ihrer Heimatstadt Kumanovo gebe es immer wieder Konflikte mit Albanern, sagt Virginia. „Ich habe Angst, dass es da Krieg gibt.“

Schulisch sehen die Schwestern für sich keine Chancen mehr in Mazedonien. Und Ausbildungsplätze seien auch nicht vorhanden. „Mein Traumberuf ist Krankenschwester“, schwärmt Zimrita. Doch den könne sie nur in Deutschland verwirklichen.

Ihre Mutter Shadir ist ebenfalls verzweifelt. Froh ist sie nur, dass während ihres Aufenthalts in Ahlen zwei Operationen durchgeführt wurden. „In Mazedonien wäre das nicht möglich gewesen. Dafür haben wir kein Geld.“

Am Mittwoch geht es per Bus nach Mazedonien. Virginia und Zimrita lassen die Köpfe aber nicht hängen. „Wenn alles klappt, kommen wir in drei Monaten wieder und machen den Schulabschluss – ganz bestimmt.“

Kreis: Ausreise ist freiwillig

In den sozialen Netzwerken wird von einer Abschiebung der Roma-Familie gesprochen und zum Teil heftig Kritik geübt. Auf „AT“-Nachfrage wies Katharina Nahrmann, Mitarbeiterin der Pressestelle des Kreises Warendorf, allerdings darauf hin, dass die Familie freiwillig ausreise. Das sei mit dem Sozialamt der Stadt Ahlen und der Anwältin der Familie so vereinbart worden, sagte sie.

„Wer freiwillig ausreist, darf in drei Monaten visafrei wieder einreisen und kann einen neuen Asylantrag stellen“, so Nahrmann. Anders wäre das bei einer Abschiebung: „Dann besteht ein Einreiseverbot.“

Eine erneute Einreise von Asylbewerbern komme öfters vor, ergänzte die Mitarbeiterin der Presseabteilung. Gerade zur Winterzeit häuften sich die Fälle.

Voraussetzung für eine Wiedereinreise sei auf jeden Fall ein gültiger Pass, machte Nahrman deutlich. Normalerweise solle ein Asylantrag innerhalb von drei Monaten entschieden werden, sagte sie. Oft ziehe sich das aber hin. Darüber hinaus bestehe für den Antragsteller immer noch die Möglichkeit, gegen eine Entscheidung vorzugehen.

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