Schließung schockt Marktkauf-Mitarbeiter
Bilder: Detlef Peter Jotzeit
Nach zwei Stunden ist die Betriebsversammlung am Dienstagvormittag im Bürgerzentrum in Ahlen unterbrochen worden. Die Marktkauf-Mitarbeiter sind enttäuscht und verunsichert. Alle bangen um ihre Zukunft.
Bilder: Detlef Peter Jotzeit

Gut zwei Stunden lang wurde dort sehr emotional diskutiert, anfangs zusammen mit Vertretern der Edeka Handelsgesellschaft Rhein-Ruhr, die nach der Übernahme der Ahlener Filiale durch die Edeka-Gruppe im Jahr 2008 zuständig ist. Aus Moers angereist waren der Geschäftsführer Uwe Marx und Personalleiter Karl-Heinz Schreiner. Mit von der Partie war der Geschäftsleiter der Ahlener Filiale, Jens Höning. Nach gut einer Stunde war ihr Auftritt beendet. „Kein Kommentar“, hieß es, als sie sich schnell vom Versammlungsort entfernten, begleitet von einem Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes.

Zwischendurch kamen Marktkauf-Mitarbeiter aus dem Saal, um frische Luft zu schnappen. Doch die Beruhigungszigarette half nur wenig, hier und da flossen Tränen. „Das ist eine Schweinerei“, sagte eine langjährige Angestellte. Sie sei in ein riesengroßes Loch gefallen und wisse nicht, wie es weitergehen solle.

Die Einkaufswagen der Marktkauf-Filiale in Ahlen blieben am Dienstag bis zur Mittagszeit leer.
„Welche Perspektive habe ich noch in meinem Alter“, klagte Petra Kunkel (56) ihr Leid. Die Nachricht habe sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. „Das ist niederschmetternd.“

Wie dramatisch die Situation ist, machte die Betriebsratsvorsitzende Edelgard Chughtai deutlich. „Nach Bekanntgabe der Schließungspläne am Montag sind zwei Kolleginnen zusammengebrochen“, berichtete sie. Die Verzweiflung sei überall groß. „Alle haben Existenzangst.“

„Es ist traurig“, so das Betriebsratsmitglied Gudrun Ameling. Die Mitarbeiter seien wütend. Viele könnten nicht glauben, dass der Standort Ahlen wirklich aufgeben werde. Kritik übte sie an der Bekanntgabe des Schließungsplans. „Das ist schon sehr kurzfristig.“

Enttäuscht zeigte sich die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Silke Janik. „Die Kollegen sind total geschockt“, sagte sie. Einige arbeiteten seit fast 30 Jahren im Betrieb. Dazu gehört Kornelia Schneider, die seit 26 Jahren dabei ist. „Ich habe immer gedacht, dort arbeite ich bis zu meiner Rente“, sagt sie. Doch dieser Traum sei nun vorbei.

WFG-Geschäftsführer: Den Status quo erhalten

Die angekündigte Schließung des Marktkauf-Standortes in Ahlen hat Jörg Hakenesch, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Ahlen, überrascht. Zumal es im Vorfeld gute Kontakte und mehrere Gespräche über Erweiterungsmöglichkeiten gegeben habe. Unter anderem habe man die Hundhausen-Brache im Blick gehabt.

„Wir haben gewusst, dass bei Marktkauf nicht alles rund läuft“, räumte Hakenesch ein. Insbesondere das Parkhaus-Rondell sei immer wieder als Problem thematisiert worden. Doch dass die Situation schon über Jahre so dramatisch sei, habe man weder bei der WFG noch im Baudezernat gewusst.

Auf jeden Fall werde er versuchen, möglichst schnell einen Ersatz für den Vollsortimenter zu beschaffen, versicherte Hakenesch. Gerade mit Blick auf eine stetige Wohnraumverdichtung in der Innenstadt sei es wichtig, ein entsprechendes Angebot vorzuhalten. „Marktkauf ist einer der wenigen Punkte, wo es im Zentrum Lebensmittel gibt“, so Hakenesch. Daher werde er auf jeden Fall versuchen, den Status quo zu halten und andere Anbieter und Ketten für den Standort zu begeistern.

Ausführlicher Bericht in der „AT“-Ausgabe am 9. September.

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