Stadtfest: Kritik am „Knebelvertrag“
Bild: Detlef Peter Jotzeit
Mario Wesselmann, Weinhändler und Gastronom aus Ahlen, ist über den „Knebelvertrag“ für das Stadtfest verärgert.
Bild: Detlef Peter Jotzeit

Acht Jahre lang habe er sich mit seinem Team um die Gäste gekümmert und sie mit edlen Weinen und Spirituosen verwöhnt, sagt Wesselmann im Gespräch mit dem „AT“.

Reibungslos habe dabei die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Ahlen geklappt. „Es gab Vereinbarungen, dass wir kein Bier und keine Cola verkaufen“, so der Ahlener Weinhändler. Alles sei formlos gelaufen. „Mir wurde eine Rechnung geschickt, und die habe ich bezahlt – das war’s.“

Um so mehr habe er sich gewundert, als er Ende Januar eine Ausschreibung von der WFG erhalten habe. „Das kam wie aus heiterem Himmel.“ Er habe sofort den WFG-Geschäftsführer angerufen. Der habe ihm nur mitgeteilt, dass alles rechtens sei.

Mitte März habe er den Vertrag zugeschickt bekommen, so Wesselmann. Und der habe es in sich gehabt. Demnach hätte er keine hochprozentigen Alkoholika (Schnäpse) mehr verkaufen dürfen. „Aber Calvados und Obstbrände waren gerade bei den Besuchern aus unseren Partnerstädten recht beliebt“, weiß der Gastronom aus Erfahrung.

Zudem hätte er sich verpflichten müssen, den vom Hauptsponsor eingeführten Cocktail „Green Rex“, der im vergangenen Jahr an seinem Stand nicht gut gelaufen sei, anzubieten. Ansonsten wäre eine Konventionalstrafe von 200 Euro fällig geworden. „Darüber hinaus sollten mir die Getränkepreise sowie die Standbesetzung vorgeschrieben werden“, ärgert sich Wesselmann. Eine weitere Klausel habe besagt, dass er nicht mehr zwei, sondern nur einen Sonnenschirm hätte aufstellen dürfen. „Bei Regen waren die eine gute Unterstellmöglichkeit,“ sagt der Weinhändler.

Auf seine Kritik hin habe er Mitte April eine E-Mail von WFG-Stadtmarketing-Leiter Carlo Pinnschmidt erhalten, so Wesselmann. Darin sei behauptet worden, der Rat habe beschlossen, keine harten Alkoholika mehr auf dem Marktplatz während des Stadtfestes anzubieten. „Das war mir nicht bekannt und einigen Politikern auch nicht“, wundert er sich.

Letztendlich habe er nach reiflicher Überlegung seine Bewerbung zurückgezogen. „Ich gehe jetzt einen anderen Weg“, sagt Wesselmann. Hatte er in den vergangenen Jahren während der Stadtfeste sein Gourmet-Lädchen an der Hellstraße 40 geschlossen, so wird er in diesem Jahr sein Geschäft öffnen und dort seine Gäste bewirten.

WFG: Keine hochprozentigen Getränke beim Stadtfest

Klare vertragliche Regelungen hält WFG-Geschäftsführer Jörg Hakenesch bei der Planung des jährlichen Stadtfestes für wichtig. Aus diesem Grund sei in diesem Jahr erstmals auch eine Ausschreibung für die kleineren Stände erfolgt, sagt er auf „AT“-Nachfrage. Für das größere Catering und die Bühnen- und Lichtanlage habe es schon seit längerem Drei-Jahres-Verträge gegeben.

„Bislang sind die Vergaben bei den Weinständen und im Biergarten an der Kirche ohne Verträge erfolgt“, räumt Hakenesch ein. Nun wolle die WFG auch in diesen Bereich einen gewissen Formalismus hereinbringen.

„Bis auf einen Stand haben alle diesem Konzept zugestimmt“, verteidigt der WFG-Chef die neue Linie. Und für den, der nicht mehr mitmachen wolle, werde aktuell ein Nachfolger gesucht. „Wir sind mit einem Bewerber schon im konkreten Gespräch“, verrät er, ohne Namen zu nennen.

Ein Lanze bricht Hakenesch für den nunmehr vertraglich verbotenen Ausschank von hochprozentigen Getränken (Schnäpse, etc.) auf dem Marktplatz während des Stadtfestes. „Das ist bisher nur geduldet worden“, sagt er. Öffentlich habe die WFG davon nichts gewusst.

In diesem Zusammenhang verweist er auf einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 1986 zur grundsätzlichen Durchführung eines Stadtfestes. Ob darin explizit auf ein Verbot von harten Alkoholika hingewiesen wird, wusste er indes nicht sicher.

Mit der Kulturabteilung sei aber nunmehr abgesprochen worden, auf den Ausschank zu verzichten. „Wir möchten das einfach nicht“, so Hakenesch mit Hinweis auf die Gefährdung der Jugend. Der entsprechende Paragraf stehe nun so im Vertrag, sagt er. Das hätten die anderen Standbetreiber akzeptiert, und die Regelung gelte für den neuen Bewerber genauso. „Schnaps wird nichts ausgeschenkt. Darauf werden wir achten.“

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