Strom für ein Drittel der Ahlener
Christian Wolff
Dirk Köttendorf und Anton Neuhaus, Vorstandsvertreter der „Drehstrom Ahlen“ eG, vor der Freifläche in der Bauerschaft Schäringer Feld, in der bis Ende 2021 zwei Windkraft-Großanlagen in Betrieb gehen sollen.
Christian Wolff

Die Pläne der „Drehstrom Ahlen“ eG zur Errichtung von zwei Windkraft-Großanlagen in der Bauerschaft Schäringer Feld hatten vor knapp drei Wochen für Diskussionen im Ortsausschuss Vorhelm gesorgt. Von Seiten der Kommunalpolitik wurde beklagt, dass zu wenig Öffentlichkeitsarbeit betrieben worden sei und der Kreis Warendorf als federführende Verwaltung keinen kompetenten Vertreter zum Sachstandsbericht entsendet hatte (wir berichteten).

Anton Neuhaus und Dirk Köttendorf können die vermeintliche Unkenntnis auf der politischen Ebene nicht verstehen. Bei einem Ortstermin stellten die „Drehstrom“-Vorstandsvertreter am Montag gegenüber unserer Zeitung klar: Planung und Intention müssten bekannt sein. „Wir arbeiten seit Jahren ehrenamtlich an diesem ersten und vermutlich auch letzten Bürgerwindprojekt in Ahlen“, sagt Dirk Köttendorf. „Aktuell haben wir mehr als 100 Mitglieder.“ Nicht zuletzt habe der Rat selbst die nötigen Konzentrationszonen abgesegnet, die Fraktionen allesamt Einladungen zu Informationsveranstaltungen erhalten. „Solche Konzentrationszo­nen sind genau das Gegenteil von einer ,Verspargelung der Landschaft‘, die immer wieder kritisiert wird.“ Die Anwohner seien jedenfalls „immer mitgenommen“ worden. Aufgrund der Coronasituation habe der geplante Erörterungstermin allerdings ausfallen müssen.

„Ich vermute einfach, dass die Kommunikation im Dreieck Stadt, Kreis und Genossenschaft nicht immer optimal war“, so das Fazit von René Achten (CDU) zu den Unklarheiten im Ortsausschuss-Bericht. In seiner Funktion als Sachkundiger Bürger informierte er sich im Nachgang zur Sitzung persönlich bei den „Drehstrom“-Akteuren. Wenn sich ein Projekt von Planung bis zum Start über Jahre hinziehe, sei es eben öffentlich weniger präsent. „Mir persönlich war es auch neu, ich bin noch nicht lange genug dabei.“

Im Bauantragsverfahren seien alle Behörden und Träger öffentlicher Belange zum Vorhaben gehört worden, erklärt Anton Neuhaus. Nach der Offenlage habe es keine Eingaben zum Antragsverfahren gegeben. „Wir schließen daraus, dass die Information der betroffenen Anlieger durch uns so umfassend war, dass es keinen Bedarf gab, offizielle Anfragen über die Genehmigungsbehörde einzureichen.“ Die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen auf einer Fläche von 40 000 Quadratmetern seien bereits angelegt. Neuhaus: „Mit der Baugenehmigung rechnen wir in Kürze. Erdarbeiten können im Herbst oder Winter starten; eine Inbetriebnahme der Anlagen ist für Ende 2021 geplant.“

Die „Drehstrom Ahlen“ eG wurde durch Ahlener Bürger im August 2014 mit 22 Gründungsmitgliedern aus der Taufe gehoben. Zu den Zielen gehören die Förderung erneuerbarer Energiesysteme und die Schaffung einer Basis zur Realisierung von lokalen Energieprojekten mit breiter Bürgerbeteiligung. Um eine unkomplizierte Beteiligung vieler Bürger zu ermöglichen, wurde die Rechtsform der

Genossenschaft gewählt. Als zusätzliches Element für eine breite Beteiligung gilt ein Stimmrecht ohne Berücksichtigung der Beteiligungshöhe: jedes Mitglied hat eine Stimme. Einen starken Mitgliederzuwachs gab es nach der ersten Auftaktveranstaltung zum Windprojekt „Schäringer Feld“ auf der Zeche Westfalen am 21. Mai 2019. Bei diesem Termin standen sowohl die Vorstände und Aufsichtsräte von „Drehstrom“ sowie die federführenden Mitarbeiter der Projektierungsgesellschaft „BBWind“ Rede und Antwort. Jeder Ahlener Bürger und Anwohner aus dem Umfeld der Anlagen (zum Beispiel aus Enniger) kann mit 500 Euro

einen Anteil an der „Drehstrom Ahlen“ eG erwerben.

Die beiden Anlagen werden klimaneutralen Strom für mehr als ein Drittel der Ahlener Wohnbevölkerung produzieren oder elektrische Energie für 8800 E-Auto liefern. „Dabei werden etwa 12 300 Tonnen CO pro Jahr eingespart – im Vergleich zur Stromproduktion aus Steinkohle“, so der Vorstand. Die sogenannten Schwachwindanlagen können auch bei geringen Windgeschwindigkeiten gute Erträge erzielen.

von Christian Wolff

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