Sturm der Entrüstung wegen nicht geleerter Mülltonnen
Zur Eigeninitiative haben diese drei Bürger gegriffen: Sie leerten am Mittwochvormittag ihre Abfalltonnen am städtischen Wertstoffhof an der Alten Beckumer Straße in Ahlen.

Derweil kündigt die Stadt an, dass Betroffene ihren nicht abgeholten Abfall bis einschließlich Samstag, 24. März, kostenfrei beim Wertstoffhof an der Alten Beckumer Straße abgeben können. Laut Abfuhrkalender 2018 der Ahlener Umweltbetriebe blieben die Anlieger von mehr als 130 Straßen auf ihrem Rest- und Papiermüll sitzen. Nach Auskunft der Stadt Ahlen sind etwa 3800 Restmüllbehälter und rund 1100 Papiertonnen nicht geleert worden.

 „Das ist für die, die es unmittelbar betrifft, schon eine lästige Sache“, wird Michael Morisse, Einsatzleiter der städtischen Abfallentsorgung, in einer Pressemitteilung der Stadt Ahlen zitiert. Am Mittwochmorgen hätte sich ein gutes Dutzend Anrufer per Telefon bei ihm gemeldet. Die Reaktionen hätten von großem Verständnis für die Wahrnehmung der Arbeitnehmerrechte bis zu totaler Ablehnung gereicht. Im Internet überwiegt die Entrüstung.

 „Das ist eine bodenlose Frechheit“, schreibt etwa eine junge Mutter auf der Facebook-Seite der Stadtverwaltung. Sie habe zwei Kinder daheim, die gewickelt werden müssten, sodass die Restmülltonne rege genutzt werde. Auch andere Mütter mit Kleinkindern äußern sich ähnlich. Gleichzeitig hoffen viele Kommentatoren auf die kostenlose Bereitstellung von roten Müllsäcken, die bei der Abfuhr am Dienstag, 3. April, neben die Tonnen gestellt werden können. Doch da macht die Stadt nicht mit: „Streik ist höhere Gewalt“, gibt Stadtkämmerer Dirk Schlebes in der Mitteilung bekannt. Gebührenrechtlich sei die entgeltlose Einsammlung von stehengebliebenem Abfall „schlicht rechtswidrig, weil unzulässig“.

Um die Wogen zumindest etwas zu glätten, rät Michael Morisse: „Bis einschließlich Samstag nehmen wir Restmüll und Papier auf dem Wertstoffhof kostenlos an.“ Ein Presswagen stehe zur Verfügung, um Abfälle aufzunehmen. Wer keine Möglichkeit habe, seinen Abfall am Wertstoffhof an der Alten Beckumer Straße abzugeben, der müsse auf die roten Abfallsäcke der Ahlener Umweltbetriebe zurückgreifen. Die kosteten im Fachhandel und bei einigen Kioskbetrieben 3,30 Euro pro Stück.

Streikrecht hat Verfassungsrang

Eine nachträgliche Abfuhr des Mülls schließt auch Personalratsvorsitzender Jörg Adomat aus, der am Dienstag am Warnstreik teilnahm. „Es würde den Warnstreik ad absurdum führen, wenn die Beschäftigten das nacharbeiten müssten“, sagt er. Nachhol-Touren seien „angeordnete und zustimmungspflichtige Überstunden, zu denen der Personalrat niemals seine Zustimmung erteilen würde“. Adomat zieht in der Pressemitteilung der Stadt Ahlen einen Vergleich zur Metallbranche: „Wenn bei Mercedes gestreikt wird, kommen die Arbeiter auch nicht am Wochenende in das Werk, um die ausgefallene Schicht nachzuarbeiten.“ Das Streikrecht habe Verfassungsrang und gelte universell.

Abfallsäcke für Restmüll sind laut Stadt Ahlen bei folgenden Verkaufsstellen erhältlich: Kaufland, Kleiwellenfeld 16; Firma Nawrot, Beckumer Straße 133; Dinkelmann Electroplus, Oststraße 3 bis 5; Volker’s Kiosk, Gemmericher Straße 113a und Am Röteringshof 92; Bienes Kiosk, Vorhelmer Weg 65; Kiosk Sierleja, Walstedder Straße 62; Wertstoffhof, Alte Beckumer Straße 5; Rewe-Markt Alleestraße 1 in Dolberg; Lädchen am Pilz, Pankratiusstraße 1 in Vorhelm.

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