„Tanker ist in Bewegung“
Ulrich Gösmann
Lernen in der Schule ohne Buch und Kreidetafel sowie in den eigenen vier Wänden mit PC, Notebook oder „I-Pad“: Die Digitalisierung des Unterrichts stellt auch Ahlen vor große Herausforderungen. Doch laut Verwaltung ist auf diesem Gebiet einiges in Bewegung.
Ulrich Gösmann

Es gibt kaum ein Thema, das durch die Coronakrise derart an Fahrt gewonnen hat wie die Digitalisierung an den Schulen und die Ermöglichung des Online-Unterrichts. Kein Wunder, dass es auch den Lokalpolitikern vor Ort mitunter zu langsam vorangeht mit der Umsetzung, auch wenn die Bestellung von Endgeräten im vierstelligen Bereich auf den Weg gebracht und an vielen Schulen schon gebaggert, gebohrt und geschraubt wird.

So verwies Petra Pähler-Paul (Grüne) am Montagnachmittag im Schul- und Kulturausschuss auf eine Studie des Westdeutschen Rundfunks (WDR), wonach deutlich ärmere Kommunen wie Gelsenkirchen schon deutlich weiter seien als Ahlen, was die Digitalisierung ihrer Schulen angeht. „Es ist noch keine einzige Schule ans Glasfasernetz angebunden. Unsere Stadt liegt in fünf von sechs Kategorien unter dem Durchschnitt“, trug sie vor. Christoph Aulbur (CDU) hielt der Grünen-Sprecherin entgegen, dass man schauen müsste, wann und unter welchen Gesichtspunkten diese Studie entstanden sei.

Und auch die Vertreter der Verwaltung betonten, wie aktiv dieses Digitalisierungsprogramm betrieben werde. „Wir sind spät, aber wir sind auf einem sehr guten Weg“, fasste es Brigga Kazmierczak (Schulverwaltung) zusammen. Sie sei dankbar über den Ratsbeschluss, der Grundlage für alle weiteren Maßnahmen war. Vorher habe man kein Instrument in der Hand gehabt, um die Digitalisierung derart flächendeckend zu verfolgen. Und die Auswirkungen von Corona habe niemand geahnt. „Wir treffen uns jetzt alle vier Wochen in großer Runde mit Technikern, Verwaltungsleuten, Ausschreibern und den betreffenden Schulen. Und es ist nicht so, dass wir nur Kaffee trinken. Die Digitalisierung ist ein riesiger Tanker, der nun in Bewegung ist“, so Kazmierczak. Bei allem Enthusiasmus sei allein das dazugehörige Förderpaket ein „Monster“, das nicht „mal eben“ bewältigt werden könne – trotz sogenannter Ausfüllhilfen.

Parallel dazu laufen an vielen Einrichtungen bereits bauliche Maßnahmen (wir berichteten), die jedoch auch unter coronabedingten Lieferengpässen leiden. „Rund 20 Kilometer Kabel sollen insgesamt verbaut werden“, sagte Florian Schmeing, Leiter des Zentralen Gebäudemanagements (ZGM), und verwies darauf, dass die Personalressourcen begrenzt seien. Er hoffe auf Verstärkung, wenn die Stelle eines weiteren Elektrotechnikers ausgeschrieben wird. Bis zum Jahresende könnten aber immerhin vier Schulen komplett verkabelt sein.

„Ich denke, wir können da zum jetzigen Zeitpunkt keine allzu große Beschleunigung reinkriegen“, meinte Gabi Duhme (SPD). „Die Schnellsten waren wir in Ahlen mit Sicherheit nicht, aber es ist alles seriös vorbereitet worden.“ Das sah Petra Pähler-Paul wiederum anders: „Vor einem Jahr haben wir Grünen nach dem Personal gefragt. Da hieß es, das wird wunderbar klappen. Jetzt stellt sich heraus, es werden mehr Leute gebraucht.“ In diesem Tempo könne es nicht weitergehen.

Heinrich Artmann (FWG) stellte außerdem fest, dass es nicht immer reiche, jeden Schüler mit einem „I-Pad“ auszustatten. „Die Wohnverhältnisse müssen das auch hergeben. Wenn zu Hause kein Raum vorhanden ist, wo ein Schüler in Ruhe lernen kann, wird‘s schwierig trotz Digitalisierung.“

von Christian Wolff

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