Terror erschüttert Spanier in Ahlen
Bilder: Detlef Peter Jotzeit
Augusto Munoz Ramírez de las Casas Deza hat 36 Jahre in Barcelona gelebt. Mit seiner Frau Manuela betreibt ein spanisches Lokal am Marktplatz in Ahlen.
Bilder: Detlef Peter Jotzeit

Seit 17 Jahren lebt sie in einem Vorort von Spaniens zweitgrößter Stadt. „Mit meiner Tochter Emma gehe ich dort regelmäßig spazieren“, sagt sie im Gespräch mit dem „AT“. Die Cafés und kleinen Bars auf der Straße seien für sie und ihre Freunde beliebte Treffpunkte.

Um so mehr ist sie froh, dass sie mit ihrem Ehemann German und der kleinen Tochter Emma (2) seit dem 5. August in Deutschland ist auf Familienbesuch. Die Nachricht von dem schrecklichen Attentat habe sie auf der Rückfahrt von Laboe erreicht. „An der Ostsee hatten wir uns einige Tage ausgeruht“, berichtet sie. Doch mit der Erholung sei es da vorbei gewesen. Von den Whatsapp-Nachrichten sei sie förmlich überrollt worden, berichtet sie. Weitere Informationen habe sie sich aus den Nachrichten der Magazine online geholt.

Marina Diaz Romero lebt seit 17 Jahren in einem Vorort von Barcelona. Sie ist zurzeit auf Familienbesuch in Deutschland und hält sich momentan in Ahlen auf.
„Wir sind in großer Sorge gewesen“, sagt sie. Zumal fast ihre ganze Familie und viele Freunde in Barcelona lebten. Nach und nach hätten sich die Einzelnen zwar gemeldet. Eine Nichte sei zu nächst nicht erreichbar gewesen. „Als sie sich dann gemeldet hat, ist uns ein Stein vom Herzen gefallen“, beschreibt Marina Diaz Romero ihre Gefühle.

Nach wie vor dramatisch sei die Suche nach einer Bekannten. Die sei weder telefonisch noch anderswie zu erreichen gewesen. „Wir wissen aber, dass sie sich zu dem Zeitpunkt des Anschlags dort aufhalten wollte.“ Über Kontakte zur Polizei werde nun versucht, die Bekannte ausfindig zu machen. „Wir hoffen, dass sie unverletzt gefunden wird.“

Besonders schlimm findet die Chefsekretärin die Videos, die überall gepostet worden seien. „Da lagen Tote, da waren Kinder und Frauen voller Blut“, sagt sie. Diese habe sie weggedrückt und gelöscht. „Einfach unvorstellbar und beschämend “, sagt sie. „Da liegen Menschen im Sterben und die filmen, ohne zu helfen.“

Menschen haben Angst: „Passieren kann das überall“

36 Jahre hat Augusto Munoz Ramírez de las Casas Deza in Barcelona gelebt und dort als Chefkoch in einem gehobenen Restaurant gearbeitet. Ein neues Zuhause hat der 48-Jährige in Ahlen gefunden. Mitte Februar eröffnete er am Marktplatz in der ehemaligen Fleischerei Konradt das Lokal „El Alba Español“ –übersetzt „spanischer Sonnenaufgang“.

Doch richtig losgelassen habe ihn seine Geburtsstadt nie, sagt er. Zumal er nach wie vor viele familiäre und freundschaftliche Kontakte dorthin pflegt. Die größte Sorgen galt am Donnerstagabend seinem 23-jährigen Sohn Jonathan, der nicht nur in Barcelona lebt, sondern als Kellner auch in einem Lokal an der Promenade Las Ramblas arbeitet – „glücklicherweise einen Kilometer entfernt am anderen Ende der Straße“. Zudem lebten dort noch eine Schwester mit ihren Kindern und eine Cousine. „Allen geht es gut“, sagt Ramírez Ehefrau Manuela (36). Sie räumt ein: „Das Attentat macht uns Angst. Aber passieren kann das überall.“

Geschockt zeigt sich Maria Molina Lopez (48). Über die Facebook-Gruppe „Las rosas de ahlen“ – eine ehemalige Flamenco-Gruppe aus Ahlen – hat sie die ersten Informationen über den Anschlag erhalten. „Das ist so grausam“, sagt die Ahlenerin. Die Welt scheine immer mehr aus den Fugen zu geraten.

Nach der schrecklichen Tat hofft sie, dass die Katalanen, von denen viele die Abspaltung ihrer Region von Spanien wollten, sich wieder annäherten. „Wir sind doch alle Spanier und leiden alle unter dem Terror“, sagt sie.

„Nimmt der Wahnsinn denn kein Ende?“ Gezittert hat Silke Sandbothe. Ihr Sohn Dennis hielt sich mit seiner Freundin Katrin (beide 23) während eines zweiwöchigen Urlaubs unter andrem in Barcelona auf. „Eine Woche zuvor haben sie am Anschlagsort noch in einem Café gesessen“, sagt die besorgte Mutter (49). Sie sei heilfroh, dass die Kinder bereits auf dem Rückweg nach Ahlen seien.

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