Tiefer Frust und weitere Klüfte
 Daniela Dahn las am Donnerstagabend in der Stadtbücherei. Die Journalistin war Mitbegründerin der Oppositionsgruppe „Demokratischer Aufbruch“.
Daniela Dahn las am Donnerstagabend in der Stadtbücherei. Die Journalistin war Mitbegründerin der Oppositionsgruppe „Demokratischer Aufbruch“.
Daniela Dahn las am Donnerstagabend in der Stadtbücherei. Die Journalistin war Mitbegründerin der Oppositionsgruppe „Demokratischer Aufbruch“.

Die Einheit ist ihr Thema. In acht Büchern hat sich die Autorin damit auseinandergesetzt. Am Donnerstagabend las Daniela Dahn im Rahmen der Politisch-kulturellen Wochen in der Stadtbücherei aus ihrem Werk „Der Schnee von gestern ist die Sintflut von heute“.

Eingeführt wurde die Autorin von VHS-Leiterin Nadine Köttendorf. Daniela Dahn hatte in Leipzig Journalistik studiert und war danach als Fernsehjournalistin unter anderem im DDR-Wirtschaftsmagazin Prisma tätig. „Das war eine relativ kritische Sendung, doch wir mussten uns jeder Systemkritik enthalten“, erinnerte sich die Journalistin. 1981 habe sie gekündigt, um nicht die Selbstachtung zu verlieren. Seitdem ist Daniela Dahn als freie Autorin tätig. 1989 wurde sie eine der Mitbegründer der Oppositionsgruppe „Demokratischer Aufbruch“.

In ihrem Buch thematisiert sie die nach wie vor andauernde Spaltung zwischen Ost und West. Auch nach 30 Jahren sei die so tief wie eh und je und es hätten sich sogar neue Klüfte aufgetan: „Woher kommt der tiefe Frust, den so viele Menschen in sich tragen?“, fragte die Autorin. Für sie ist die Wiedervereinigung eine Geschichte von Siegern und Besiegten. „Nur, dass die Sieger nicht aufhörten zu siegen“, bedauerte Daniela Dahn. So hätten diese „Sieger“ den Nachlass östlicher Landes- und Bevölkerungsteile gänzlich ignoriert.

Was also hat die friedliche Revolution den Menschen im Osten der vergrößerten Republik überhaupt gebracht? Sicher die Reisefreiheit und viele andere Annehmlichkeiten. Doch, da war sich Daniela Dahn sicher, revolutioniert worden sei nichts: „Ich wollte immer in der Demokratie, nicht aber im Kapitalismus leben.“ Nun lebe sie deutlich mehr im Letzteren.

Für sie war die Wiedervereinigung eine Abfolge von Herabwürdigungen durch die Ignoranz gegenüber der Kultur, Literatur, Wirtschaft und besonders der sozialen Infrastruktur. Es fehle, so Daniela Dahn, die gemeinsame Erinnerungskultur – eine, die weder beschönigt, noch verteufelt werde und ohne Legenden auskomme.

Die Bücher von Daniela Dahn sind hilfreich, weil streitbar und frei von falschen Kompromissen, aber mit vielen Gedankenanstößen.

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