Unruhe um die letzten Ruhestätten
Bild: Wittmann
An Urnenstelen in Ahlen ist nur noch direkt nach einer Beisetzung größerer Grabschmuck erlaubt.
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 Mittlerweile wurde bei der Polizei auch Anzeige wegen Diebstahls erstattet, nachdem Mitarbeiter der Umweltbetriebe alles komplett abgeräumt und entsorgt haben.

Betroffene verstehen das neue Vorgehen der Stadtverwaltung nicht, da in den vergangenen beiden Jahren die Grabbeigaben toleriert worden seien. Doch laut Stadtverwaltung habe der Grabschmuck aber überhandgenommen.

Ein weiterer Vorwurf an die Stadtverwaltung lautet, dass diese die Angehörigen nicht über die Neuerung informiert habe. Sie habe ihre Trauergaben nicht einmal mehr sichern können, sagt Karin Ulbrich, die im Sommer 2013 ihren Mann in einer Urnenstele beigesetzt hat. Frank Merschhaus, Pressesprecher der Stadt Ahlen entgegnet: „Die Friedhofsgärtner haben in persönlichen Ansprachen sehr wohl darauf hingewiesen, dass sich die Handhabung im neuen Jahr eng an den festgeschriebenen Regeln orientieren wird.“ Die Notwendigkeit einer darüber hinausgehende Ankündigung habe sich insofern nicht aufgedrängt. „Rückblickend mag man auch zu einer anderen Einschätzung gelangen“, so Merschhaus.

 Erlaubt seien nach der gültigen Friedhofssatzung (geändert zum 1. Januar 2016) nur noch Beigaben, die binnen kurzer Zeit vergänglich seien, wie etwa frische Blumen oder einfache Grabkerzen. Damit zeigen sich weder Karin Ulbrich noch Annegret Schwarz (ihre Mutter wurde 2012 im anonymen Urnenfeld beigesetzt) einverstanden. Wenn sie seinerzeit gewusst hätten, dass es solche Vorschriften geben werde, hätten sie sich für eine andere Bestattungsform entschieden. Beide wollten nicht vor dunklen, nackten Klötzen trauern.

Nach Auskunft von Frank Merschhaus ist es nicht maßgeblich, wann der Vertrag über eine Grabstätte geschlossen worden ist. Gültig sei immer die aktuelle Fassung der Friedhofssatzung: „Eine Art ,Besitzstandswahrung’ gibt es nicht“.

Annegret Schwarz (63) – sie vermisst eine Grablampe und eine Engelsfigur – ging ebenfalls zur Polizei, um Anzeige wegen Diebstahls zu erstatten. Diese sei aber nicht aufgenommen worden. Für die Polizei handle es sich, so Pressesprecherin Susanne Dirkorte-Kukuk, in diesem Fall nicht um Diebstahl, da die Stadt Ahlen keine Bereicherungs- oder Wegnahmeabsicht habe.

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