Videodreh im Klassenraum
Ulrich Gösmann
Deutschlehrerin Anna-Maria Rohm erklärt Nomen, Klassenlehrerin Simone Hattrup filmt. Der Raum der 2a ist vorübergehend Filmstudio
Ulrich Gösmann

Kamera läuft! Corona macht kreativ – auch am Mittwochmittag im Klassenraum der 2a der Marienschule. Deutschlehrerin Anna-Maria Rohm erklärt Nomen, Klassenlehrerin Simone Hattrup filmt. Drum herum Stille und leere Stühle.

„Videokonferenzen sind in dem Alter noch schwierig“, verdeutlicht Simone Hattrup, bevor sie auf den roten Aufnahmeknopf drückt. Darum jetzt dieses Erklärfilmchen, das am Freitagmorgen via Youtube und IServe für die 2a und 2b freigeschaltet eine Deutschstunde Distanzunterricht ausfüllen dürfte. „Wir wollen bei den Erklärungen der Aufgaben helfen und Bezug zur Schule herstellen“, fährt Simone Hattrup fort. Die Schüler freuten sich, ihre Lehrer im Video sehen zu können. Und auch das als Feedback: „Frau Hattrup erklärt das anders...“ – als Mama oder Papa.

Für das, was Kollegin Rohm in dem zweiminütigen Video herüberschickt, bedarf es nur der Wortkartenbox, die in jedem Ranzen griffbereit liegt. Aufgabe heute: Nomen herausfinden, aus Einzahl Mehrzahl machen. Beispiel: die Mütze – die Mützen. Oder umgekehrt: Viele Stühle – ein Stuhl. Schwieriger wird`s beim Zimmer: Wie lautet da die Mehrzahl . . .? Anna-Maria Rohm schafft es in freier Rede fehlerfrei durch das zweiminütige Video. Kollegin Hattrup hat ihres zu diesem Zeitpunkt schon längst im Kasten, aufgenommen am Vortag von ihrem Mann in der eigenen Küche. „Es ist erst einmal komisch, sich selbst im Video zu sehen“, gesteht die Klassenlehrerin. Sie gehöre nun mal zu der Generation, die sich nicht bei jeder Gelegenheit selbst filme. Über das Lernpaket hatte es ein Schneemann-Schnittmuster am Montag in die Kinderzimmer geschafft. Flächen bemalen, ausschneiden und kleben: Schon das Zuschauen macht Lust auf Kunst im Distanzunterricht. Die technische Freischaltung übernimmt ein Dritter aus dem Filmteam der Stufe zwei: Sven Stilling, Klassenlehrer der 2b und Technikbeauftragter der Marienschule.

Die Klick-Zahlen des ersten Kurzfilms motivieren, weiterzumachen. 44 der 50 Kinder schauten sich den Einspieler an. Und auch nur eben diese Zweitklässler, wie Schulleiterin Stephanie Hallermann betont. „Andere haben keinen Zugriff.“

Was für den Sportunterricht geplant ist, diese Frage reißt das Klassenzimmer aus ihrer Aufnahmestille. Die Pädagogen lachen – und winken ab: Nein, nein. Keine Verrenkungen vor der Kamera. Hauptfächer wie Mathe und Deutsch hätten Priorität. Und: Für den sportlichen Ausgleich stünde der Pausenhof mit seinen Spielgeräten weiterhin unter Einhaltung des Mindestabstands offen.

von Ulrich Gösmann

SOCIAL BOOKMARKS