Vorwurf: Frau zur Prostitution gezwungen
Seit Dienstag müssen sich zwei Bulgaren vor dem Amtsgericht Ahlen wegen gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung und versuchter Zwangsprostitution verantworten.

Fünf Justizbeamte hatte man im Gerichtssaal für ihre Bewachung abgestellt. Den Angeklagten – ein Ahlener und ein Pendler zwischen Bulgarien und Ahlen – wird vorgeworfen, im Mai in Ahlen eine 20-jährige Frau an den Haaren zu Boden geworfen und sie durch Schläge und Tritte so schwer verletzt zu haben, dass sie im Krankenhaus behandelt habe werden müssen. Ferner sollen sie die Frau eingesperrt haben, um sie zur Prostitution zu zwingen.

Der 45-jährige Angeklagte ist im Besitz eines Mercedes-Sprinter-Busses, der als Wohnmobil eingerichtet ist und den der Staatsanwalt in seiner Anklageschrift als zur Ausübung der Prostitution geeignet bezeichnete. Weiteres Indiz dafür, so die Anklage weiter, sei ein bei ihm gefundenes Tele-Cash-Gerät, mit dem eventuelle Freier die Dienste der Prostituierten direkt und bargeldlos begleichen könnten.

Erschwert wird die Wahrheitsfindung in dem Prozess durch die Tatsache, dass weder die Angeklagten noch die meisten Zeugen der deutschen Sprache mächtig sind, sodass jede Frage des Gerichtes und jede Einlassung von zwei Dolmetscherinnen übersetzt werden müssen. Die Akteure des Dramas sind allesamt bulgarische Staatsbürger, die in Ahlen, Dolberg und Hamm wohnen. Die Geschädigte, die gestern fehlte, wurde von den Angeklagten und einigen Zeugen immer wieder als Ehefrau unterschiedlicher Mitglieder der bulgarischen Gemeinschaft bezeichnet. Von Hochzeiten war die Rede, die aber wohl nur ein wechselndes Zusammenleben bezeichnen sollten.

Als völlig unschuldig sieht sich der 45-Jährige: Den Bus benötige er zum Transport von Menschen zwischen Deutschland und Bulgarien, und das Tele-Cash-Gerät habe er auf dem Müll gefunden. Er habe nach einer Feier vom 6. auf den 7. Mai in der Wohnung des jüngeren Angeklagten übernachtet, als die Polizei sie „überfallen“ habe. Gerufen hatte die Ordnungshüter eine Zeugin, die im selben Haus wohnt. Bei ihr habe die Geschädigte, nachdem sie sich habe befreien können, geklingelt und um Hilfe gebeten, erzählte die Nachbarin im Zeugenstand.

Mehr im „AT“ vom 27. September.

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