Waffe bis heute nicht gefunden
Ralf Ewers
Spezialkräfte der Polizei sperrten am Abend des 29. Juni den Bereich rund um den Dr.-Paul-Rosenbaum-Platz ab, nachdem dort Schüsse gefallen waren.
Ralf Ewers

Wild-West im Ahlener Osten: Am 28. Juni hallten gegen 20 Uhr Schüsse über den Dr.-Paul-Rosenbaum-Platz. Was war geschehen? Damit befasste sich am Freitag das Jugendschöffengericht.

Ein 18-Jähriger Ahlener war angeklagt wegen Körperverletzung, Verstoß gegen das Waffengesetz, Bedrohung und auch Widerstand gegen Vollzugsbeamte. Das brachte dem jungen Mann am Ende eine anderthalbjährige Freiheitsstrafe ein.

Zurück zum Tattag, wie er vor Gericht rekonstruiert wurde: Der Angeklagte, drei seiner Freunde und das spätere Opfer – ein Freund des Vaters des Angeklagten – trafen sich nahe dem Restaurant „Royal“. Ein nichtiger Streit eskalierte rasend schnell. Aus Beschimpfungen wurden Bedrohungen. Dem Opfer wurde es zu viel und er verständigte den Vater des Täters. Wohl noch während dieses Telefonates – der Geschädigte saß dabei im Auto – umstellten die vier jungen Männer das Fahrzeug; in der Hand je ein Messer. Das langte dem Geschädigten, der eine Karriere als Türsteher hinter sich hatte. Mit einem Stock ging er auf die Jungen zu und verscheuchte sie. Zunächst mit Erfolg.

Als der 56-Jährige wieder im Auto saß, kam es zum Höhepunkt: Plötzlich tauchte – woher, das konnte das Gericht nicht klären – eine Pistole auf. Damit schoss der Angeklagte zweimal in die Luft. „Willst du, dass ich dich töte?“, schrie er den Geschädigten an. Darauf feuerte der 18-Jährige ein weiteres Mal, diesmal in den Kotflügel des Autos. Fluchtartig verließen die Männer den Platz. Die Waffe verschwand auf mysteriöse Weise und wurde bis heute nicht gefunden. Der Angeklagte floh mit der Bahn nach Hannover, von wo er sich mit seinem Anwalt in Verbindung setzte. Später stellte er sich der Polizei. Sogleich kam er in U-Haft.

Doch auch hier ging der Aggressionstrip des Heranwachsenden weiter. In einer Freistunde kam es zu einer Auseinandersetzung mit ei­nem Mithäftling. Durch das Einschreiten der Wärter blieb es bei einer Rangelei zwischen ihnen und dem Ungebärdigen.

„Keine Waffe, keine Freiheit“, forderte die Staatsanwältin im Plädoyer. Dabei erinnerte sie an die laufende Bewährung wegen weiterer Delikte. „Sie sind der absolute Bewährungsversager. Mehr als mit einer Pistole in der Stadt herumzuballern, kann ich mir bei Ihnen kaum vorstellen“, hielt sie ihm vor. Sie forderte drei Jahre Jugendhaft.

Dem folgte das Gericht nicht. „So bekommen Sie die Chance, sich über neun Monate Ihre Bewährung zu verdienen“, erklärte die Vorsitzende diese Vorbewährung. Wenn gegen eine der zahlreichen Auflagen – von Geldbuße bis hin zu Drogen-, Alkoholverbot und Trainingskursen – verstoßen wird, tritt sofort die volle Strafe in Kraft.

von Peter Schniederjürgen

SOCIAL BOOKMARKS