Werbeplakate mit Nacktem zurückgezogen
Die Werbung eines Ahlener Sportmodegeschäftes hatte vor allem bei Facebook eine rege Diskussion ausgelöst. Das Plakat zeigte einen Bewohner des St.-Vinzenz-Hauses, der nackt den Zebrastreifen an der Weststraße überquerte.

Das Bild zeigt einen nackten Bewohner der Einrichtung St. Vinzenz am Stadtpark beim Überqueren des Zebrastreifens an der Weststraße. Die Werbebotschaft: „Bei uns findet jeder etwas.“

„Bei der Person auf dem Foto handelt es sich um einen Bewohner unseres Hauses, der sich zum Zeitpunkt der Aufnahme in einer akuten Erkrankungsphase befand“, erläuterte Manfred Lechtenberg, Leiter der Einrichtung St. Vinzenz am Stadtpark. Grundsätzlich begrüße er die humorvollen und toleranten Reaktionen der Ahlener auf die St.-Vinzenz-Bewohner. Doch in diesem Fall sei der Betreiber des Geschäfts „etwas über das Ziel hinaus geschossen“, da Persönlichkeitsrechte verletzt worden seien.

Zu hoch hängen will der Einrichtungsleiter die Werbeaktion nicht. „Wir können nur auf Toleranz hoffen, wenn wir selbst tolerant sind“, sagte er. „Wir wollen nicht moralisierend auftreten.“

Gegen Mittag fand ein Treffen zwischen Lechtenberg und Bernie Hubbert, Inhaber des Sportmodegeschäftes, statt. Hubbert erklärte im „AT“-Gespräch den Hintergrund der Werbeaktion folgendermaßen: „Mir wurde das Foto mehrfach mit Kommentaren, wir hätten regen Zulauf in unserem Geschäft, zugespielt. Wir wollten mit dem Plakat niemanden diskriminieren.“ Zudem sei der nackte Mann nur von hinten zu sehen und daher nicht zu identifizieren.

Bilder wie diese gebe es zuhauf im Internet. Dass in dieser Situation die Ahlener Weststraße und eben auch das Geschäft abgebildet seien, steigere den Wiedererkennungswert der Aufnahme.

Der Austausch zwischen Lechtenberg und Hubbert sei positiv gewesen. „Natürlich verstehen wir, dass die Mitarbeiter des St.-Vinzenz-Hauses ihrer Bewohner schützen wollen“, sagte Hubbert. „Wir wollten mit unserer Werbung niemanden schaden.“ Seit Jahren bestehe zwischen dem Geschäft und der St.-Vinzenz-Einrichtung ein gutes Verhältnis. „Viele Bewohner kaufen regelmäßig bei uns ein und werden von uns genauso freundlich und offen behandelt wie jeder andere Kunde“, so Hubbert weiter. „Wir sind die Letzten, die hier Unterschiede machen.“

Die Plakate wurden im Verlauf des Dienstagvormittags aus dem Schaufenster entfernt.

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