Wichtigster Erinnerungsort
Stadt Ahlen
Eine stille Kranzniederlegung vollzogen am Mittwoch Bürgermeister Dr. Alexander Berger und Geschichtslehrer Tobias Meemann am Mahnmal am Bruno-Wagler-Weg.
Stadt Ahlen

In Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 76 Jahren haben am Mittwoch Tobias Meemann und Bürgermeister Dr. Alexander Berger am Bruno-Wagler-Weg einen Kranz niedergelegt. Am Mahnmal für die NS-Opfer warnten beide vor einem Wiedererstarken von Antisemitismus und politischem Extremismus. Die Gedenkveranstaltung in der Aula des Städtischen Gymnasiums musste in diesem Jahr coronabedingt ausfallen.

Der Hetze entgegentreten

„Wie schnell Verschwörungsideologien in Vernichtungsideologien umschlagen, hat uns die Geschichte bitter gelehrt“, forderte Alexander Berger dazu auf, allen entschieden entgegenzutreten, die im Gewand der sogenannten „Coronakritik“ Hetze gegen Minderheiten übten. Krisenzeiten seien anfällig dafür, gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen und zu stigmatisieren. „Umso wichtiger ist es jetzt, in Solidarität zusammenzustehen und gemeinsam die Herausforderung zu bewältigen.“ Das Leid der NS-Verfolgten mahne zur Vorsicht vor allen Ideologien, die Werte wie Freiheit und Gleichheit gering schätzten.

Der Bürgermeister lobte den hohen Stellenwert, den die Erinnerungskultur in den Ahlener Schulen einnimmt. Gedenkfahrten in die ehemaligen Todeslager seien noch immer die geeignetste Maßnahme, „um das grauenvolle Geschehen zu fassen und zu verstehen“. Aufgrund der bestehenden Kontaktbeschränkungen hätten die Gedenkstätten im letzten Jahr nur etwa die Hälfte der Gästezahl eines gewöhnlichen Jahres erreicht.

Ähnlich deutlich seien die Folgen der Pandemie in weiteren KZ-Gedenkstätten sowie an anderen Orten bundesweit, an denen an den NS-Terror erinnert wird. Auch die alljährliche Stufenfahrt von Schülerinnen und Schülern des Städtischen Gymnasiums musste aufgrund der Corona-Pandemie entfallen. „Kaum ein anderer Erinnerungsort übt einen so nachhaltigen Eindruck auf seine Besucher aus wie Auschwitz“, bedauert Geschichtslehrer Tobias Meemann den Ausfall der Fahrt. Zahlreiche Jugendliche seien in den vergangenen Jahren nach Polen gereist, um sich mit den Lebensgeschichten und dem Schicksal von unzähligen ermordeten Menschen auseinanderzusetzen.

Corona verlange den Menschen viel ab, so Meemann. „Zahlreiche Menschen sind bereits gestorben. Viele Familien leiden, weil sie einen lieben Menschen verloren haben. Umso bedeutsamer erscheint es uns am Städtischen Gymnasium, auch in diesen Zeiten zurückzuschauen und uns aus Solidarität mit dem Leid der Opfer an die Gräueltaten der Nationalsozialisten zu erinnern.“ Daher sei die Kranzniederlegung ein wichtiges Zeichen.

Hoffnung fürs nächste Jahr

Hoffnungsvoll blickt er auf das nächste Jahr. „Dann wird es hoffentlich wieder möglich sein, gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus allen weiterführenden Schulen in der Aula eine Gedenkveranstaltung durchzuführen. Auch wenn wir gerade alle froh sind, dass wir uns mit Hilfe digitaler Medien begegnen und lernen können, ist sinnstiftende Erinnerung doch besser in der realen Begegnung von Menschen möglich.“

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