Zehn Leerstände zum Jahresende
Christian Wolff
Sylvia Sommer übergab einen Brief an Ralph Brinkhaus (r.), aus dem die schwierigen Verhandlungen mit der Mayerschen Buchhandlung hervorgehen.
Christian Wolff

Die lokalen Einzelhändler setzen verstärkt aufs Internet, um auch diejenigen mitzunehmen, die aus Zeit, Kostengründen oder Bequemlichkeit den persönlichen Gang ins Geschäft scheuen. Aber: Sich gegen die großen Onlineplattformen durchzusetzen, ist wie ein Kampf gegen Windmühlen.

Diese Erkenntnis vermittelten die Geschäftsinhaber, die am Mittwoch zum zweiten CDU-Zielgruppengespräch in die Stadthalle gekommen waren. Als Ansprechpartner stand ihnen Ralph Brinkhaus, der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, zur Verfügung.

Von der traurigen Nachricht, dass sich mit dem Schreibwarengeschäft Sommer bald eine feste Größe aus der Ahlener Innenstadt verabschiedet, hatte der Bundespolitiker bereits gehört. Sylvia Sommer schilderte ihm aber auch die schwierigen Verhandlungen mit der „Mayerschen“, die vor einigen Jahren die hauseigene Buchhandlung übernommen hatte und nun eine umsatzbezogene Miete fordere. Einen aktuellen Brief, aus dem die Problematik hervorgeht, nahm Brinkhaus mit nach Berlin.

Auch Porzellanhändler Josef Ostermann konnte wenig Beglückendes berichten. „So wie es aussieht, haben wir zum Jahresende zehn Leerstände in der Fußgängerzone“, prognostizierte er und erneuerte die Forderung nach einem Parkhaus, das angesichts wegfallender Flächen zugunsten des Radverkehrs nötiger sei denn je. „Es gibt einen Radius von rund 25 Kilometern, aus dem Leute nach Ahlen kommen. Wir müssen einfach Frequenzen schaffen, wenn die Kaufkraft abwandert.“ CDU-Stadtverbandschef Lehmann erinnerte, dass ein erster Antrag in diese Richtung von seiner Partei bereits 2016 gestellt worden sei. „Im Bereich Bahnhof wäre das vor allem für Pendler interessant.“

Goldschmiedemeister Raphael Fischer stellte das Positive voran: „Ahlen wird von Auswärtigen immer wieder gelobt. Insbesondere an Markttagen.“ Was ihm Sorgen bereite, sei ebenfalls die Kaufkraft vor Ort. „Der dritten Generation der Bewohner mit Migrationshintergrund ist das Wort Fachgeschäft kein Begriff mehr.“ Die einzige Chance für die lokalen Geschäftsleute sei die dauerhafte Attraktivitätssteigerung ihres Umfelds – nicht allein durch ein oder zwei Parkhäuser, sondern auch im Zusammenspiel der Händler und ihrer eigenen Aktionen. „Ich hatte schon mal die Idee einer eigenen Kaufmannszeitung oder die Überdachung der Fußgängerzone ins Spiel gebracht.“

Martin Dinkelmann weiß: „Lange Beratungsgespräche mit Kunden finden schon lange nicht mehr statt. Die meisten kommen gezielt und gehen schnell weiter“, so der „Elektroplus“-Betreiber. Die Schließungszeit habe den Onlinehandel enorm gestärkt. Leider nicht die Ahlener Einzelhändler. „Wir müssen den Kunden vermitteln, dass Einkaufen nicht nur eine Notwendigkeit sein muss, sondern auch Spaß machen kann“, pflichtete ihm auch Bürgermeister Dr. Alexander Berger bei.

Herrenausstatter Bernd-Uwe Lieftüchter griff den Ball „Parkplätze“ später wieder auf: „Die Leute werden immer älter und müssen auch irgendwo parken können. Wir dürfen nicht nur den Radverkehr forcieren.“ Dem reinen Onlinegeschäft will auch er sich nicht zuwenden: „Wir wollen vor Ort verkaufen!“

Kinobetreiber Martin Temme berichtete, dass er das „Cinema Ahlen“ am 16. März schließen musste und erst vor wenigen Tagen wieder geöffnet hat. „Das Autokino, das wir zwischenzeitlich als Alternative angeboten haben, hatte nicht die erhoffte Resonanz“, sagte er. Somit sei auch er auf die Hilfspakete der Regierung angewiesen.

von Christian Wolff

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