Ziel ist noch zehn Millimeter entfernt
Bild: Lange
Der kleine Nazar aus Afghanistan wird in der Kinderklinik Ahlen unter anderem von Dr. Thomas Haug behandelt.
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Möglich macht dies die „Aktion Benjamin“, die sich für Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten einsetzt. „In der Heimat besteht für die Kinder keine Chance auf Genesung“, weiß Dr. Thomas Haug, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Spezielle Unfallchirurgie am St.-Franziskus-Hospital Ahlen. Vermittelt werden die kleinen Patienten durch das Friedensdorf in Oberhausen.

Über diese Station kam auch der neunjährige Nazar nach Ahlen. „Durch Kriegseinwirkung wurde sein Unterschenkel zerstört“, berichtet Dr. Haug. Wegen einer schweren Infektion drohte dem Kind der Verlust des Beines. Wie es um die Krankenhäuser in Kabul bestellt ist, erfuhr Dr. Haug von einem afghanischen Mediziner. Dieser absolvierte im St.-Franziskus-Hospital ein Berufspraktikum und war Nazar sogar in Afghanistan begegnet: „Die Operationssäle ähneln Küchen, die seit 30 Jahren nicht mehr renoviert worden sind“, schildert Dr. Haug. Die einzige Option für Nazar in seiner Heimat: die Amputation des Beines.

Doch dank des Friedensdorfes in Oberhausen und der „Aktion Benjamin“ in Ahlen ist es nicht so weit gekommen. Nazar kann sogar auf eine vollständige Genesung hoffen. Und das, obwohl eine schweren Knocheninfektion ihn erneut heimsuchte. „Acht Zentimeter des Schienbeins waren schlicht weg“, blickt Dr. Haug auf die Eingriffe zurück.

Dr. Haug: „Eltern leisten großen Vertrauensvorschuss“

Ein äußerer Spanner am Bein transportiert seitdem den Knochen Tag für Tag und sorgt so für den baldigen Lückenschluss. „Kinder besitzen ein hohes Knochenneubildungspotenzial“, erklärt Dr. Haug. „Und Nazar macht das bravourös mit, auch wenn es manchmal schmerzhaft ist.“ Ohnehin habe sich das Kind, das rund 6000 Kilometer von seiner Familie getrennt sei, gut akklimatisiert. „Er ist sehr freundlich und hat kein sichtbares Heimweh.“

Dr. Haug rechnet damit, dass der Junge bis Ende des Jahres vollständig genesen ist und dann zurück in seine Heimat kann. „Die Eltern leisten einen großen Vertrauensvorschuss, wenn sie ihre Kinder in unsere Hände geben“, sagt Dr. Haug. „Das wollen wir nicht enttäuschen.“ Nazar, der auch etwas Deutsch spricht, scheint froh zu sein, bald wieder laufen zu können. Und deutet mit dem verletzten Bein an, worauf er sich besonders freut: Wieder Fußball spielen zu können.

Spenden sind willkommen

Auf 25.000 Euro beziffert Dr. Thomas Haug die Behandlungskosten für den kleinen Nazar. Finanziert wird diese Summe durch Spenden. „Ohne die geht es nicht“, berichtet der Mediziner. Dank der Zuweisungen für die „Aktion Benjamin“ könnten pro Jahr zwei bis drei Kinder behandelt werden.

Nazar wird demnächst nach Oberhausen ins Friedensdorf zurückkehren und wohl bis zum Jahresende mehrere Kontrolltermine in Ahlen wahrnehmen. Und für den Monat August hat sich der nächste kleine Patient in der Kinderklinik angekündigt.

Weitere Informationen zur „Aktion Benjamin“ unter http://www.sfh-ahlen.de/unsere-kompetenzen/chirurgie-ii-orthopaedie-und-unfallchirurgie/aktion-benjamin.html.

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