14 „Hobbits“ bewohnen Haus Unterberg
Bild: Clauser
In seinem neuen Domizil fühlt sich der 11-jährige Tristan, hier im Bild mit Monika Eiken, sichtlich wohl. In halbjähriger Umbauphase wurde das sozialtherapeutische Zentrum in der Beckumer Bauerschaft Unterberg zur heilpädagogischen Wohneinrichtung für Kinder und Jugendliche.
Bild: Clauser

Die insgesamt 14 Jungen im Alter zwischen 8 und 16 Jahren nennen sich die „Hobbits“ und sind aufgeteilt in die beiden gleichstarken Gruppen „Frodo“ und „Bilbo“. Die Namensanleihen bei Tolkiens „Herr der Ringe“ hat ihren triftigen Grund, wie Hobbit-Leiterin Monika Eiken erklärt. Von bösen Mächten bedrängt muss sich in einer Episode der Hobbit Bilbo verleugnen und gibt sich als „Herr Unterberg“ aus. 

Eine Steilvorlage für die Neubenennung der Einrichtung in der gleichnamigen Bauerschaft, die bis Mitte vergangenen Jahres als Therapiezentrum für Suchtkranke genutzt wurde. Auf der Suche nach einer anderen Verwendung der geräumigen Immobilie wurde der Kreis-Caritasverband sozusagen im eigenen Haus fündig.

Die Erziehungshilfe St. Klara, ohnehin auf der Suche nach einem Domizil für die Doppelwohngruppe, griff gerne zu. Zwischen Beckum und Herzfeld zogen im April neun Jungen vom Paterweg und zusätlich fünf Altersgenossen ein. Für den geänderten Verwendungszeck wurde das vor nicht allzu langer Zeit bereits grundsanierte Haus zuvor erneut umgebaut. 130 000 Euro flossen in die Arbeiten, die nach den Worten von Caritas-Vorstand Herbert Kraft maßgeblich von der Aktion Mensch bezuschusst wurden.

Dass die heiltherapeutischen Wohngruppen jetzt weit außerhalb Beckums liegen – zunächst war an einen Neubau an der Elisabeth-Selbert-Straße gedacht worden – stört die jugendlichen Bewohner nicht. Einer, so berichtet Rolf Rosenwick schmunzelnd, befand 14 Tage nach dem Umzug: „Das fühlt sich immer noch an wie Ferienfreizeit.“ Insbesondere das große Freigelände, aber auch der „Luxus“ eigener geräumiger Zimmer lassen den manchmal etwas umständlich weiten Weg zur Schule oder zum Sportverein vergessen.

Individueller Rahmen für jedes Kind

Zur Bewältigung der Strecken zwischen Wohneinrichtung und Stadt steht ohnehin ein fester Fahrdienst zur Verfügung. Denn zur Betreuung der beiden heilpädagogischen Jungengruppen steht Personal nach einem erhöhten Schlüssel zur Verfügung. Im 24-Stunden-Schichtbetrieb kümmern sich immer mindestens zwei Erwachsene um die Kinder und Jugendlichen.

Die haben in der Regel schon in mehreren Lebenssituationen negative Erfahrungen sammeln müssen, sind bisweilen traumatisiert oder bindungsgestört. Im Haus Unterberg sollen sie in familienähnlichen Beziehungen auf lange Sicht wieder vertrauensvolle Beziehungen zu anderen aufbauen, außerdem Zuwendung und Bestätigung erfahren.

Für jedes Kind sollen hier der individuelle Rahmen für seine positive Entwicklung geschaffen werden, so der ambitionierte Anspruch, wie ihn Dr. Christoph Heckmann als Leiter der Erziehungshilfe St.Klara definiert.

Das sollen in Kürze auch die Nachbarn erfahren, die zum Kennenlern-Treffen eingeladen sind. Wenn die Kontakte in die Umgebung geknüpft sind, soll mittelfristig auch ein großes Einweihungsfest folgen.

SOCIAL BOOKMARKS