Achtung, ein Künstler ist anwesend
Bild: Eggert
Der Theatersaal wurde zum Hörsaal, als Jürgen Becker die Bühne am Samstagabend im voll besetzten Stadttheater betrat.
Bild: Eggert

120 Projektionen von Bildern, Skulpturen und Bauwerken dienten als Anschauungsmaterial zur Kulturgeschichte bei einem Unterricht, wie ihn sich Becker während seiner Schulzeit, so der Kabarettist, „immer schon einmal gewünscht hatte“. Und in der Tat, der Theatersaal wurde zum Hörsaal: Das Auditorium erfuhr eine Menge über die Entwicklung von Epochen der darstellenden Kunst, zunächst in engster Bindung an die Religionen, bis Kunst sich schließlich verselbstständigte. Stattdessen aber immer in Verknüpfung mit dem kreatürlichen Sexualverhalten bei Mensch und Tier.

Denn Kultur und Kunst bedeuten nach Beckers Definition Triebverzicht. Wie es Seminare nun einmal so an sich haben, lief auch dieses Gefahr zu ermüden. Je länger es dauerte, umso mehr war es dieser Gefahr ausgesetzt. Und es stellte sich die Frage, ob die Beschränkung auf die Thematik „Warum gibt es Kunst überhaupt?“, „Was ist schön?“, „Was wollen Künstler überhaupt?“ und „Wie ist das alles mit Religion und auf Transzendenz bezogenen Ideologien verknüpft?“ ausreicht, um einen unterhaltsamen Abend zufriedenstellend zu füllen.

Falls man sich für Kulturgeschichte interessierte, war die Antwort einfach: Das war ein lockerer und informativer Abend. Für die anderen könnte die Rettung und damit zumindest ein Teil der Antwort in der Persönlichkeit und dem meisterlichen Können Beckers liegen. Er beherrscht die Kunst kabarettistischen Aufbereitens von Themen natürlich perfekt. Beschränkte er sich nicht wie an diesem Abend auf den Rahmen einer so eingegrenzten Thematik, brauchte man über dessen Unterhaltungswert, den ja auch ernstes Kabarett braucht, nicht nachzudenken.

So war man denn doch eher geneigt, mit dem Gedanken an Beckers Zitat das Haus zu verlassen: „Nee, war mal was anderes!“

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