Aus 4720 wird über Nacht 59269
Bild: Krogmeier
Das 1,3 Kilogramm schwere Postleitzahlenbuch, das der Beckumer Briefmarkensammler und Postbote Carl-Heinz Linnemannstöns hier präsentiert, kam vor 20 Jahren in einer Auflage von 40 Millionen Exemplaren auf den Markt.
Bild: Krogmeier

Bis zum 30. Juni 1993 wurde sie ungezählte Male auf Briefen, Postkarten oder Paketen notiert, um diese sicher und schnell an den Empfänger in der Püttstadt zu bringen.

Diese Zeiten sind längst vorbei, und bei vielen dürfte das prägnante „4720“ vielleicht schon in Vergessenheit geraten sein. Am 1. Juli 1993, also vor bereits 20 Jahren, wurden die neuen fünfstelligen Postleitzahlen in Deutschland eingeführt. Und seit dieser Zeit steht die Zahl „59269“ für die Stadt Beckum.

Die Wiedervereinigung Deutschlands hatte die Umstellung der Postleitzahlen notwendig gemacht. Mehr als 800 Städte in Ost und West hatten damals die gleiche Postleitzahl, so stand zum Beispiel die „4100“ für Duisburg und Halle. Eine Übergangsreglung von 1990 bis 1993 brachte auch nicht die zufriedenstellende Lösung. In diesen Jahren wurde vor die alte Postleitzahl jeweils ein „W“ für West-Deutschland oder ein „O“ für Ost-Deutschland gesetzt. Den notwendigen klaren Schnitt zog die Post dann vor 20 Jahren, indem man in den fünfstelligen Bereich einstieg.

Diese fünf Zahlen wurden nicht willkürlich gewählt. So geben die beiden ersten Ziffern das jeweilige Zielgebiet an, also das Briefzentrum der Region. Für Beckum ist das mit der „59“ das Briefzentrum in Werl. Die drei weiteren Zahlen zeigen den Wohnort des Kunden an, so zum Beispiel „269“ für Beckum oder „302“ für Oelde. Daran ist auch erkennbar, ob der Postempfänger ein Großkunde ist oder ob er ein Postfach angemietet hat. Mit der Postleitzahl können also neben Hausadressen auch die Postfach- oder Großkundenanschriften und Packstationen direkt angesteuert werden.

Noch in Erinnerung ist das vor 20 Jahren verteilte neue Postleitzahlenbuch, das auch in Beckum in jedem Haushalt auf dem Tisch landete. Es wurde 40 Millionen Mal gedruckt, 38 000 Tonnen Papier wurden benötigt. Das Druckwerk war 1,3 Kilogramm schwer.

Damals liefen zudem umfangreiche Werbekampagnen, um den 60 Millionen Privatkunden und drei Millionen Geschäftskunden, den Post-Mitarbeitern und Medien sowie Firmen und Postdiensten im Ausland diese weitgehende Umstellung zu vermitteln.

Die Post wird vorsortiert

Die Deutsche Post hatte mit der Einführung der neuen fünfstelligen Postleitzahlen ein zweites wichtiges Ziel verfolgt: Die Qualität des Brief- und Paketversands sollte gesteigert werden.

„Die Ziele waren damals ehrgeizig. Eine hohe Automatisierung und die Einführung modernster Technik waren die Schlüsselthemen. So konnte eine zügige und kostengünstige Bearbeitung sichergestellt werden“, machte im Rückblick der Leiter der Niederlassung Brief Dortmund, Frank Blümer, auf „Glocke“-Anfrage deutlich. Das Ziel war klar gesteckt: Die Briefe sollten zuverlässig am Folgetag der Einlieferung beim Empfänger ankommen.

In den bundesweit 82 Briefzentren der Post werden heute täglich rund 64 Millionen Sendungen verarbeitet. Dabei werden die Sendungen anhand der Postleitzahlen und der Straßenangaben bereits in der Gangfolge des Zustellers sortiert. So erhalten auch in Beckum die Postboten die auszutragende Post genau sortiert nach Straßen und Hausnummern.

In den 33 Paketzentren werden täglich mehr als drei Millionen Paketsendungen bearbeitet. „Zurzeit werden mehr als 95 Prozent aller Briefsendungen einen Tag nach der rechtzeitigen Einlieferung – die Zeit der jeweiligen Leerung ist am Briefkasten angezeigt – am nächsten Tag zugestellt sowie 90 Prozent aller Paketsendungen“, macht die Deutsche Post AG deutlich.

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