Beckum: Hochzeitsfeier hat ein Nachspiel
Yakup Barutcuoglu, Geschäftsführer des Eventcenters in Beckum, äußert sich zu einem Polizeieinsatz bei einer Hochzeit Anfang Oktober in seinen Veranstaltungsräumen. Für das Vorgehen der Ordnungshüter hat er kein Verständnis.

Yakup Barutcuoglu hat eine andere Sicht auf die Dinge. Der Geschäftsführer des Eventcenters übt Kritik an dem Polizeieinsatz und betont: „Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen“.

Barutcuoglu sagt, er sei an dem Abend persönlich vor Ort gewesen. Für das Vorgehen der Ordnungshüter hat er kein Verständnis. „Die Polizei hat die Straße komplett abgesperrt und auch Leute auf der Straße, die gar nicht zur Veranstaltung gehörten, mitgezählt“, behauptet der Geschäftsführer. Auch Besucher der direkt neben dem Eventcenter liegenden Wasserskianlage und sogar dessen Mitarbeiter seien mitgezählt worden. Barutcuoglu moniert, dass von Seiten der Polizei viele Fehler gemacht worden seien. „Ich habe eine Liste eingefordert, um zu sehen, wie die Polizei auf eine so hohe Personenanzahl gekommen ist. Die habe ich noch immer nicht bekommen“, berichtet er im Gespräch mit der „Glocke“.

Susanne Dirkorte-Kukuk, Pressesprecherin der Polizei, sagte auf Nachfrage, dass die Polizei einem Hinweis nachgegangen sei, dass bei der Veranstaltung eine hohe Personenanzahl anzutreffen sei. Da einige Personen die Örtlichkeiten hätten verlassen wollen, sei der Parkplatz abgesperrt worden. „Anschließend wurden Personalien der anwesenden Personen aufgenommen worden“, sagt Dirkorte-Kukuk.

Barutcuoglu beteuert, sich an alle Vorschriften gehalten zu haben. „Ich habe die Veranstaltung selbst korrekt beim Ordnungsamt angemeldet“, sagt der Veranstalter. Zudem habe er Beweise, dass kein Fehlverhalten seinerseits vorliege. „In unseren Räumen sind Kameras angebracht, auf deren Aufzeichnung zu sehen ist, dass nicht mehr als 150 Personen bei der Veranstaltung waren“, sagt Barutcuoglu. „Außerdem hätte das Essen für mehr Personen überhaupt nicht gereicht.“

Gaby Trampe, Pressesprecherin der Stadt Beckum, bestätigte, dass die Anmeldung der Veranstaltung beim Ordnungsamt eingegangen sei. Ungereimtheiten gebe es noch bei der Form der Dokumentation und der Anzahl der Leute. Dies werde aktuell überprüft. „Wir haben das Eventcenter nicht auf dem Kieker, die zuständigen Personen haben sich bisher immer sehr korrekt verhalten“, betonte Trampe.

In einem Gespräch mit der Stadt habe Barutcuoglu die Info bekommen, dass bisher kein Verfahren gegen ihn eingeleitet worden sei. Dass er von der Polizei keine Stellungnahme erhalten habe, sei für ihn „eine Frechheit“. Sollte ihm doch ein Verfahren drohen, habe er keine Angst.

Kreis Warendorf ist aktuell Risikogebiet

Ab einer 7-Tages-Inzidenz von 35 sind laut Landesregierung Feiern im öffentlichen Raum nur noch bis 50 Teilnehmern gestattet. Bei einer Inzidenz ab 50, wie aktuell im Kreis Warendorf, sinkt diese Zahl auf 25. Ausnahmen von diesen Teilnehmerobergrenzen können im Einzelfall bei besonderen Hygiene- und Infektionsschutzkonzepten zugelassen werden.

Private Feierlichkeiten aus herausragendem Anlass (zum Beispiel Hochzeitsfeiern) außerhalb des eigenen privaten Bereichs müssen – wenn mindestens 50 Teilnehmer erwartet werden – mindestens drei Werktage vorher beim Ordnungsamt angemeldet werden. Für die Veranstaltung muss eine Gästeliste geführt und während der Veranstaltung aktualisiert werden. Dadurch wird es den kommunalen Ämtern ermöglicht nachzuvollziehen, welche Feiern in der jeweiligen Kommune stattfinden, und gegebenenfalls zu kontrollieren, ob die Bestimmungen der Coronaschutzverordnung eingehalten werden. Unverändert gilt, dass solche Feierlichkeiten auf höchstens 150 Teilnehmer begrenzt sind.

Existenzängste kehren zurück

Mit den steigenden Corona-Zahlen kehren auch die Existenzängste für viele Veranstaltungsmanager und Gastronomen zurück. Yakup Barutcuoglu berichtet, dass im Moment eine Stornierung nach der anderen bei ihm eingehe. „Für die nächste Zeit ist im Prinzip alles abgesagt, und unser Geschäft ist wieder komplett eingebrochen“, sagt der Geschäftsführer.

„Das im Frühjahr erhaltene Fördergeld hat gerade mal zwei bis drei Wochen gereicht“ berichtet Barutcuoglu. Er hofft nun, dass aufgrund der aktuellen Lage weitere Förderungen für die Branche bereitgestellt werden. Er habe zudem ein Darlehen mit einer sechsstelligen Summe aufgenommen, aber auch das werde wohl nicht reichen, wenn Veranstaltungen für längere Zeit nicht stattfinden können.

Barutcuoglu geht davon aus, dass viele Event-Veranstalter Pleite gehen würden und hofft, selbst nicht betroffen zu sein. Er selbst halte sich im Moment mit dem Betrieb seiner Indoor-Spielhalle über Wasser.

Die Hoffnung liegt auf dem kommenden Jahr. „Dieses Jahr habe ich komplett abgeschrieben“, sagt Barutcuoglu. Eigentlich waren bei ihm die Jahre 2020 und 2021 restlos ausgebucht. Nun bleibt ihm zunächst nichts anderes übrig, als darauf zu warten, dass wieder Veranstaltungen mit mehr Personen stattfinden dürfen. „Auch damit erzielen wir nicht die Einnahmen, die wir sonst hätten, aber damit können wir zumindest noch eine gewisse Zeit überbrücken“, sagt Barutcuoglu.

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