Beeindruckendes Brahms-Requiem
Der Projektchor der Musikschule Beckum-Warendorf unter Leitung von Dr. Wolfgang König begeisterte beim Auftritt in der Propsteikirche.

Nun stellte sich, kalendarisch passend inmitten der Passionszeit, der Projektchor der Musikschule Beckum-Warendorf der Herausforderung.

Er sorgte am Sonntagnachmittag ebenso eindrucksvoll wie vor vier Jahren der frühere Madrigalchor mit einer entsprechenden Aufführung in der Propsteikirche St. Stephanus für ein bewegendes musikalisches Ereignis. Das schwebend Innige vereinigt sich in dem Opus 45 mit kraftvoller Monumentalität und stellt hohe Ansprüche an die vierzig Mitglieder der wohlgeschulten Chorgemeinschaft. Sie konnte mit musizierender Leidenschaft und ausgeprägter Musikalität in einem insgesamt vollkommen homogenen Klangbild aufwarten.

Dr. Wolfgang König hatte sich als stilprägender musikalischer Leiter für die sogenannte Londoner Fassung des Werkes entschieden, die ohne Orgel und großen Orchesterapparat auskommt und sich auf die virtuose Begleitung durch das kraftvoll eingesetzte Klavier stützt. Nach dem tröstlichen Beginn eilt die Aufführung in feinen dynamischen Abstufungen zwischen inniger Läuterung und lautstarker Beschwörung von einem musikalischen Höhepunkt zum anderen.

Das siebenteilige Werk, das sich ohne Anleihen bei der lateinischen Messe auf ausgewählte biblische Texte des Alten und Neuen Testaments stützt, gipfelte musikalisch im hohen A der fehlerfrei gemeisterten, gigantischen Fuge des sechsten Satzes „Hölle, wo ist dein Sieg?“ – ein Triumph zielbewusster Chorpädagogik. Große Momente des Chorsatzes wechselten ab mit der edlen Vortragskultur berufener Solisten. Lara Langguths warm sich verströmender Sopran erhob sich geschmeidig und liedgestaltend in die Spitzenregionen der anspruchsvollen Partie. Demütig und zugleich verkündigungsfroh war Marek Reichert mit seiner klar profilierten baritonalen Klangrede anrührend präsent: „Herr, lehre mich doch, dass es ein Ende mit mir haben muss“.

Kompetent und stilsicher hatten Anne Temmen-Bracht und Sebastian Kurz vierhändig den von Johannes Brahms höchstpersönlich bearbeiteten Klavierpart gestaltet, der das ergreifende Werk auf subtile Weise strukturiert. Die Zuhörer in der Propsteikirche waren spürbar beeindruckt und dankten den Mitwirkenden mit stehend dargebrachten Ovationen.

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