Betrüger rufen gezielt Senioren an
Bild: Bussieweke
Mit Hilfe des Telefonbuchs suchen die Verbrecher, die sich als Enkel oder falsche Polizisten ausgeben, gezielt nach Menschen, deren Namen eher alt klingen.
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„Auch bei mir haben sie es versucht“, sagt Gerhild Habicht aus Neubeckum. „Ein Mann mit osteuropäischem Akzent hat sich als falscher Kriminalpolizei-Beamter ausgegeben und wollte mir versichern, dass in der Hauptstraße 100 in meiner Nachbarschaft eingebrochen wurde.“

Glücklicherweise habe vor kurzer Zeit eine Freundin aus Oelde einen ähnlichen Anruf erhalten und Habicht sei vorbereitet gewesen. Sie habe sich gar nicht auf den Anrufer eingelassen und so schnell wie möglich aufgelegt.

„Der ‚falsche Polizist‘ ist unter Betrügern eine beliebte Masche“, erklärt Susanne Dirkorte-Kukuk, Sprecherin der Kreispolizei. Die Anrufer wiesen dann darauf hin, dass sie eine Liste mit weiteren Einbruchszielen gefunden hätten und dass das Hab und Gut des Opfers in Gefahr sei. „Dann bieten die Anrufer an, vorbeizukommen und sicherzustellen. Und dann sind sie weg.“

Dass der Anrufer seinen Namen nennt, soll Vertrauen wecken

„Bei meiner Freundin hat sich der Anrufer mit ‚Manfred Baumann‘ gemeldet“, sagt Gerhild Habicht. Der Name, vermutet die über 70-Jährige, soll Vertrauen wecken. Sie geht außerdem davon aus, dass die Anrufer für ihre Ziele das Telefonbuch verwenden und dort gezielt nach Personen suchen, deren Namen alt klingen.

Falscher Enkel fragt nach Geld fürs erste Auto

Das bestätigt auch Polizeisprecherin Dirkorte-Kukuk. Die Anrufe des falschen Kripo-Beamten seien eine Alternative zum sogenannten Enkeltrick. Bei dem geben sich die Betrüger am Telefon als Enkel der betroffenen Person aus und bitten um Geld. „Etwa für das erste Auto“, führt Dirkorte-Kukuk aus.

Und weil die Opfer gutgläubig seien, vielleicht auch ein Stück weit einsam, hinterfragten sie den Anruf oft nicht. „Dann denken sie gar nicht daran, genau auf die Stimme der Person am anderen Ende der Leitung zu achten. Oder daran, sich bei ihrem Enkel zu vergewissern“, erklärt die Polizei-Pressesprecherin.

Auch wenn die Neubeckumerin Gerhild Habicht den Anrufer erfolgreich abgewehrt hat: Eine Sache bereut sie. „Rückblickend hätte ich mich gerne ein bisschen auf den Betrüger eingelassen, gehört, was er möchte. So schnell habe ich dann leider doch nicht geschaltet. Vielleicht hätte das geholfen, ihn zu schnappen“, sagt sie.

Ist das Geld erst einmal weg, kann es kaum zurückgeholt werden

„Ich finde das hochgradig unverschämt“, betont Susanne Dirkorte-Kukuk. Es sei sehr böswillig, gutgläubigen Menschen ihr Geld so hinterlistig aus der Tasche zu ziehen. „Vor allem, weil es für das Geld schon eine feste Verwendung gibt. Oft sind das die Ersparnisse für die Beerdigung oder für das erste Auto des echten Enkels“, erklärt die Pressesprecherin.

Und wenn das Geld erst einmal weg sei, gebe es kaum einen Weg, es sich zurückzuholen. Die Betrüger seien kaum zurückzuverfolgen. Es gebe zwar Methoden, den Anrufern nachzugehen, sagt die Pressesprecherin. Aber die seien nicht immer wirksam, die falschen Polizisten agierten vorsichtig. „Wenn sie Gefahr wittern, sind sie direkt raus. Dafür verzichten sie ohne Probleme auf 10 000 oder 15 000 Euro, das ist ihnen das Risiko nicht wert.“

Große Dunkelziffer bei der Opferzahl

So geistesgegenwärtig wie Gerhild Habicht reagieren nicht alle Angerufenen. Manche fallen auf die Masche herein, verlieren dadurch einen großen Teil ihres Ersparten – zuletzt in Ahlen und Everswinkel. „Wie oft die Betrüger tatsächlich Erfolg haben, wissen wir nicht“, sagt Susanne Dirkorte-Kukuk. „Viele Opfer schämen sich und trauen sich nicht, zur Polizei zu gehen. Es gibt ein großes Dunkelfeld.“

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