Blinde Jugendliche spielen Theater
Wie sie Erschrockenheit mimen, haben Carina (v. l.), Lorena und Philipp erfolgreich gelernt.

 „Leg mal deine flache Hand an die Stirn“, fordert Theaterpädagogin Meike Wiemann die 17-jährige Alexandra auf. „So machen Leute das, wenn sie fast in Ohnmacht fallen“, ergänzt sie. Schaut man der jungen blonden Frau einen Moment bei den Proben mit den blinden Jugendlichen zu, wird eines schnell deutlich: das Einstudieren dieses Stücks birgt Besonderheiten. Besonderheiten, denen sich ein Mensch mit gesundem Augenlicht nicht bewusst ist.

Gestik und Mimik stehen hier ebenso auf dem Lehrplan wie der Text des Stückes. Denn die sind Sehbehinderten nicht selbstverständlich geläufig. Wie läuft, gestikuliert und kleidet sich eine Tussi? Carina musste das erst lernen. Eine solche spielt sie nämlich im Projekt von Filou-Mitglied Hilde Broschk. „Vorher konnte ich mich überhaupt nicht in die Rolle hineinversetzen“, erklärt die 17-Jährige. Sie kannte die typischen Bewegungen nicht. Das hat Carina nachgeholt und nun steht dort auf der Bühne im Stadttheater eine zierliche junge Frau mit Handtäschchen, die sich nervös mit den Händen durch die Haare fährt und ihre lackierten Fingernägel begutachtet. Das ist kein Lampenfieber, das gehört zum Stück. In dem spukt es nämlich gewaltig.

In „Noch nie hörte man solch schauriges Lachen“ von Kenneth Lillington kauft eine moderne Familie ein altes Schloss. Mitsamt seiner mittelalterlichen Geisterbewohner. Die sind über die neuen Mitbewohner wenig amüsiert. Trotzdem schallt immer wieder lautes Gelächter über die Bühne. Das Ensemble auf Zeit hat viel Spaß miteinander. Dennoch arbeiten alle diszipliniert. Das bestätigt Hilde Broschk: „Das ist auch harte Arbeit hier.“ Die soll sich am Samstag auszahlen.

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