Bündnis gegen k.o-Tropfen geschlossen
Kooperationspartner sind (v. l.) Bernd Stichling (Wirteverein), Antje Ruhmann (Alte Beckumer Stadtwache) und Gabriele van Stephaudt (Frauen helfen Frauen).

Davon können die Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstelle bei der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt ein Lied singen. Jahr für Jahr müssen sie Gespräche mit betroffenen Frauen und Mädchen führen. Die, so schildert Gabriele van Stephaudt von der Beratungsstelle, wissen manchmal gar nicht so Recht, ob sie wirklich heimtückisch außer Gefecht gesetzt worden sind. Denn bei entsprechender Dosierung der einschlägigen Substanzen lässt der Filmriss nicht lange auf sich warten. Und mit ihm verschwindet in aller Regel auch jede Erinnerung an den Peiniger.

Damit es im Beckumer Karneval gar nicht erst so weit kommt, hat sich bereits vor zwei Jahren ein nicht alltägliches Bündnis formiert. Die Beratungsstelle von „Frauen helfen Frauen“ arbeitet eng mit der Alten Beckumer Stadtwache und dem Hotelier- und Wirteverein zusammen, um die heimtückischen Attacken gar nicht erst zuzulassen. Mit im Boot sind ferner die Polizei und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Beckum. In diesen Tagen schwärmen die Kooperationspartner wieder aus, um unter dem Motto „Beckum feiert ohne Knockout“ Informationsmaterial zu verteilen.

Mahnendes Banner auch im Festzelt

Plakate, Flyer und Postkarten sowie eine konkrete Handlungsanleitung für den Notfall sind an alle Gastronomiebetriebe gegangen. Im Festzelt bei Samson wird sogar ein großes Banner aufgespannt, das auf die Gefahren hinweist. Van Stephaudt, die sich über die hohe Beteiligung an der Kampagne freut, weiß genau: Das A und O bei der Prävention ist die Aufmerksamkeit. Wer sieht, dass etwas heimlich in ein Glas geträufelt wird oder wer bemerkt, dass die Begleiterin sich plötzlich auffällig verhält, sollte nicht zögern Hilfe zu holen. Das könne im Einzelfall durchaus lebensrettend sein. An potenzielle Angreifer sollte das klare Signal ausgestrahlt werden: „Wir passen auf.“ Die eingesetzten Betäubungsmittel, so weiß sie aus Erfahrung, werden oft probeweise punktuell und an verschiedenen Orten eingesetzt. Dabei beobachtet der Straftäter oft die Reaktion verschiedener potenzieller Opfer und schlägt später zu. Gezielte Konzentration auf genau ein bestimmtes Opfer sei offenbar eher selten.

Substanzen acht Stunden nachweisbar

Häufig werden die Substanzen GHB (Gammahydroxybuttersäure) und GBL (Gamma-Butyrolacton) als k.o.-Tropfen missbraucht. Diese beiden Substanzen sind auch unter dem Namen „Liquid Ecstasy“ bekannt. Bei einer geringen Dosis wirken sie berauschend und enthemmend. Neben GHB und GBL gibt es noch weitere Substanzen, die häufig als k.o.-Tropfen missbraucht werden, dazu zählen unteranderem Benzodiazepine und Barbiturate. Gabriele van Stephaudt von der Frauenberatungsstelle berichtet, dass betäubende Substanzen teilweise in Gebrauchschemikalien wie Industriereiniger enthalten sind. Die Betäubungssubstanzen sind etwa acht Stunden lang im Körper nachweisbar. Gewisse Eile bei der Sicherung von Blut- oder Urinproben ist im Verdachtsfall durchaus geboten. Damit skrupellosen Zeitgenossen, die oft auf einvernehmliche Sexualkontakte mit ihren wehrlosen Opfern verwiesen, enttarnt werden können. Denn die gehen allzu oft straffrei aus.

Wer in Verdachtsfällen Hilfe und Beratung braucht, erhält sie bei der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt unter w 02521 / 16887 oder per E-Mail unter info@fhf-beckum.de.

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