Der Referent mit der Lizenz zum Lachen
Ein Schattenriss wie in einem Bond-Vorspann. Prof. Dr. Metin Tolan und seine Helden aus der James-Bond-Historie.

„Geschüttelt, nicht gerührt! – James Bond im Visier der Physik“ lautete der filmreife Titel des 165. Höxberg-Gesprächs am Mittwochabend im Beckumer Berufskolleg. Der gebürtige Oldenburger referierte zwar vor vollen Rängen, doch womöglich aus Sorge vor dem Corona-Virus waren einige Bürger zu Hause geblieben. Die verpassten eine unterhaltsame Nachhilfestunde in Physik. Sehr zur Freude übrigens von Dr. Dirk Spenner, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Zement und Baustoffe. Er erzählte freimütig, keinen guten Physik-Lehrer gehabt zu haben und hoffte auf Schützenhilfe vom kundigen Referenten.

Die gab es dann auch im wahrsten Sinne des Wortes. Bond kommt schließlich nicht ohne Dienstwaffe aus, ob Beretta 418 oder Walther PPK. Doch Prof. Dr. Metin Tolan ging es in erster Linie um etwas anderes: Sind Bonds Stunts und Kniffe mit den Regeln der Physik vereinbar? Oder besser nicht nachmachen? Da wäre zum Beispiel der legendäre Auto-Spiralsprung über einen Fluss in „Der Mann mit dem goldenen Colt“ von 1974 . Und tatsächlich. Diesen Stunt gab es wirklich. Gerade bei älteren Filmen sei die Animationstechnik schließlich noch nicht so weit gewesen, erklärte Tolan. Das Geheimnis hinter der tollkühnen Action-Szene: die gleichmäßige Gewichtsverteilung um die Längsachse. „Das Auto ist also der Trick“, fasste der Experte zusammen. Also nichts wie anschnallen und mit exakt 64 Stundenkilometern nachmachen, bitte!

Nur ein Beispiel dafür, wie sich Prof. Dr. Metin Tolan geschickt zurücknahm, die eingespielten Filmszenen wirken ließ und quasi nebenbei seine physikalischen Ergebnisse humorvoll vermittelte. Lernen konnten die faszinierten Zuhörer eine Menge. Zum Beispiel, wie man von einer Insel über Krokodile ans rettende Ufer läuft, oder wie Bonds Magnetuhren beim Entblößen einer Dame von Nutzen sein können (beides aus „Leben und sterben lassen“). Tolans gewitzte Rhetorik tat ihr übriges – eine explosive Mixtur aus fundierter Wissenschaft und lässiger Komik.

Nach einem Schluck die Welt retten

Zum Schluss die entscheidende Frage: Warum nun den Wodka-Martini geschüttelt und nicht gerührt trinken? Der Paranuss-Effekt führt zur Lösung. Die großen Geschmacksmoleküle wandern beim Schütteln nach oben. Der erste Schluck ist der beste. Und für Bond eben auch häufig der letzte. Der Agent mit der Lizenz zum Genießen weiß eben, dass er nach einem Nippen schon wieder die Welt retten muss.

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