Deutliche Haftstrafen oder Freispruch?
Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung lagen weit auseinander.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten, einem 22-Jährigen aus Ahlen und einem 25-Jährigen aus Hamm, Körperverletzung, gemeinschaftliche Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz (Bengalos) vor.

Wie berichtet, sollen Ahlener Fußballfans der Gruppierung „Tribuna unida“ im November 2010 teils vermummt am Vereinsheim der „Beckumer Jungs“ am Phoenix-Zementwerk aufgemischt haben, so dass mehrere Leute durch Pfeffersprays verletzt und einige Autos beschädigt worden sind, eines bis zum wirtschaftlichen Totalschaden. Das Verfahren gegen den dritten Angeklagten, einen 21-jährigen Ahlener, wurde abgetrennt, da das Cuttermesser, das er geführt haben soll, nochmals auf DNA-Spuren untersucht wird.

Zu den Vorwürfen schwiegen die Ahlener beharrlich. Das Verfahren ist also ein Indizienprozess. Ebenfalls auf DNA-Spuren wurden am Tatort gefundene Pfeffersprays, Baseballschläger, Flaschen und ein Tischbein untersucht. Für das Jugendschöffengericht stellt sich nun die Frage, ob es hier nur „junge Burschen“, wie ein Verteidiger die Angeklagten bezeichnete, vor sich hat, die die Sache unter sich regeln wollten. Oder ob dem „Ultraphänomen“, wie es der Staatsanwalt nannte, staatlicherseits Einhalt geboten werden müsste, egal, auf welcher Ebene es sich bewege. Er bewertete den Vorfall in Beckum als „grobe Attacke“. Zudem hätten die Angeklagten in ihrer Eigenschaft als Ultras bereits Strafverfahren über sich ergehen lassen müssen.

Die beiden Verteidiger sprachen in ihren Plädoyers indessen von „dürftigen Indizien“ und „chaotischen Aussagen“ seitens der Beckumer Zeugen. Der Staatsanwalt könne nicht mit „so einer Keule“ – sprich: zweieinhalb Jahre Gefängnis – gegen ihre Mandanten vorgehen. „Ich halte den Ansatz der Staatsanwaltschaft für katastrophal“, sagte der Verteidiger des Hammers. Das beantragte Strafmaß könne man nicht einmal mehr drakonisch nennen. Beide Verteidiger plädierten auf Freispruch. Am 26. November geht es weiter mit dem Bericht der Jugendgerichtshilfe und der Einbeziehung alter Verfahren.

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