Entertainment der guten alten Schule
Bild: Eggert
Matthias Brodowy (links) hat Probleme: Beim Zaubertrick mit der Versuchsperson funktionierte die Maschine nicht.
Bild: Eggert

 „Die Bert Engel Show“ brachte Menschen und Puppen zusammen in einer Nummern-Revue im Stil des Varieté-Theaters, die beinah vergessen ließ, dass die Puppen eben doch Puppen und keine Menschen waren. Das war in erster Linie Verdienst des Puppenspielers Detlef Wutschik. Vermummt ganz in Schwarz ließ er den Quatschkopf Werner Mommsen und den fast 100-jährigen Entertainer Bert Engel eindringlich lebendig werden.

 Die hohe Kunst des Puppenspiels, die den eigentlichen Akteur mit seiner Kunstfigur verschmelzen ließ. So wurde der schrullige, alternde Bert Engel zum Star des Abends. Gekleidet in der Eleganz der Jahrhundertwende führte er durch das Programm wie in den alten Zeiten seiner Abendshows in den großen Theaterpalästen der Welt. Weil niemand vorher weiß, was in seiner Show passiert, mittlerweile am wenigsten er selbst, bedurfte er dringend der Assistenz des mehrfach mit Kleinkunstpreisen ausgezeichneten Kabarettisten Mathias Brodowy in der Rolle seines Auszubildenden.

Dessen Lehrjahre trugen exzellente Früchte. Brodowy hatte zudem immer wieder eigenständigen Acts. So brachte er am Klavier als einer der Höhepunkte des Abends Rudi Carells Lied vom Sommer im Stil des Hermann van Veen. Oder er bewies, dass seine Gesangsstimme durchaus der Qualität der „goldenen Stimme aus Prag“ des Karel Gott nichts nachsteht. Vermeintlich wirklich gefordert wurde er immer wieder, wenn es galt, für seinen Lehrherrn in die Bresche zu springen und Dinge zu tun, die er seiner Rolle entsprechend eigentlich nicht beherrschte – wie Zaubern oder Puppenspielen.

Man erlebte zumindest die ersten Phasen des Abends mit zwiespältigen Gefühlen. Bewunderte einerseits die Kunst des Puppenspielers, vermisste andererseits Tempo und Schwung in Abfolge und Präsentation des Programms. Bis dieser trotz aller Altersgebrechen jung gebliebene Bert Engel den Zuschauer schließlich vor allem im zweiten Teil des Abends so sehr rührte, dass man am Ende ihn mit tiefem Bedauern von der Bühne gehen sah: die Symbolfigur einer Zeit, in der Entertainment noch etwas mit Herz zu tun hatte.

SOCIAL BOOKMARKS