Entscheidend ist auf’m Marktplatz
Ob das die richtige Taktik für Borussia Dortmund im Champions-League Finale am Samstag gegen Bayern München ist? Augenzwinkernd geben (v. l.) die Beckumer Hinna Roggenkamp, Friedhelm Müller, Heiner Nienkemper und Alfons Becklönne dem BVB-Trainer Jürgen Klopp Tipps. Die Vier treffen sich regelmäßig an Markttagen in der Bäckerei Schwichtenhövel in Beckum zum Fachsimpeln.

Dort weiß man schließlich, welche Taktik die richtige gegen den vermeintlich übermächtigen Gegner ist. Die Kaffeerunde am Püttbrunnen fachsimpelt mit Vorliebe über die richtige Aufstellung, Schlüsselspieler und psychologische Raffinessen außerhalb des Platzes. Und manch einer erinnert sich dabei voller Nostalgie an seine eigene Fußballerzeit in den 50er und 60er-Jahren in Beckum.

Das Wichtigste gleich vorweg: „Die Null muss stehen“, meint Hinna Roggenkamp (75). So hat es der Beckumer selbst von Trainerlegende Hans Klodt gelernt, Auf der Position des Außenläufers feierten die beiden 1959 mit Beckum den Westfalenmeister-Titel. „Klodt hat Beckum das Fußballspielen beigebracht“, bringt es Roggenkamp auf den Punkt. Und davon kann sicherlich auch Jürgen Klopp lernen. „Auf Konter spielen“, so heißt die klare Devise von Hinna Roggenkamp.

Und an dieser Stelle sei ein kleiner Griff in die Phrasenkiste erlaubt: „Wenn ich keinen reinkriege, kann ich auch nicht verlieren.“ Spricht’s und greift genüsslich zur Kaffeetasse, um die Strategie seiner Freunde zu hören. Für Alfons Becklönne ist die Sache klar: Bastian Schweinsteiger und Javier Martinez müssen die Dortmunder stoppen. „Die sind die Schaltstelle und spielen intelligente Pässe“, weiß der 63-Jährige. Und Heiner Nienkemper legt noch einen drauf: „Das Mittelfeld muss der BVB zerstören, sonst bilden sich zu viele freie Räume für die Bayern.“ Es kommt also auf die Zweikämpfe an. Nah am Gegenspieler sein. Keinen Pass zulassen. Doch auch der 80-jährige Beckumer weiß: „Ganz fehlerfrei werden Klopps Jungs nicht spielen können.

Bleibt die alles entscheidende Personalfrage: Spielt Hummels? Friedhelm Müller hält große Stücke auf den Verteidiger: „Er ist der wichtigste Ausputzer und Abwehrchef.“ Da steht sogar Mario Götze für die vier Fußballkenner im Abseits. Von dem seien die Dortmunder ohnehin nicht abhängig, sagt Günter Sypitzki im Vorbeigehen. Der 70-jährige Beckumer drückt dem BVB die Daumen. Wie man gegen München gewinnt? „Einfach besser sein.“ Fußball kann so einfach sein.

Wembley, war da nicht was? Richtig, das legendäre Wembley-Tor im Finale Deutschland gegen England bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1966 am 30. Juli. Da kommt einem BVB-Fan in der Beckumer Innenstadt doch gleich eine kreative Idee: Wenn Bayern München zumindest auf dem Papier der eindeutige Favorit ist, müssen die Dortmunder eben ein Wembley-Tor erzielen. Und wer würde sich da besser anbieten als Robert Lewandowski, der womöglich gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber spielt?

Gesprächsthema Nummer Eins war das Champions-League-Finale gestern Morgen auf dem Beckumer Markt. Die Inhaber von Sportgeschäften stellten zugleich Kleiderständer mit Trikots der beiden Vereine nach draußen und warben mit Plakaten für das Spiel. Bleibt abzuwarten, ob der 25. Mai 2013 wie der 30. Juli 1966 in die Fußball-Geschichtsbücher eingehen wird.

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