Geläut erinnert an die Glöckchen-Suche
Ein ganz besonderes Verhältnis zu großen und kleinen Glöckchen hat Küster Manfred Niehaus, der zusammen mit seiner Nichte in dieser Woche die Ausgaben unserer Zeitung durchstöbert.

 Manfred Niehaus wuchs im Kreise von sieben Geschwistern auf. Gemeinsam mit zwei Brüdern gehörte die Glöckchen-Suche untrennbar zur Weihnachtszeit. „Es war ein kleiner Wettbewerb unter uns. Wer findet das Glöckchen zuerst? Das war in den 70er-Jahren, als ich zwischen zehn und 15 Jahren alt war“, erinnert sich Manfred Niehaus. Seine Mutter habe dafür gesorgt, dass die entdeckten Glöckchen für den Wettbewerb eingeschickt wurden. „Ich kann mich noch an die seitenlange Gewinnerliste erinnern. Einmal hat auch meine Mutter einen Fleischwolf gewonnen. Das war für uns schon etwas Besonderes“, sagt der Küster schmunzelnd.

Eine Glocke erklingt: Es ist viertel nach drei. Küster Manfred Niehaus schaut nach oben. Für ihn markiert das Glockengeläut alle besonderen Ereignisse des Lebens. „Ob Taufe, Kommunion oder Hochzeit – die Glocken laden mit ihren Klängen zur Teilnahme ein“, meint der Küster. Sie können Blockierungen aufheben, Stimmungen aufhellen und Zeitmarkierungen schaffen. Die Glocke verstummt, und Manfred Niehaus nimmt seine Beschreibungen wieder auf: „Gesucht und gelesen wurde morgens am Esstisch. Dort ist der Zeitungslektüreplatz bei mir immer noch. Während man als Kind akribisch Seite für Seite abgesucht hat und voller Eifer war, gehe ich nun nach Themen vor. In dieser Woche werde ich gemeinsam mit meiner siebenjährigen Nichte auf die Suche gehen“, berichtet der Küster. Wenn er eine Reise gewinnen würde, würde er diese an ein Familienmitglied verschenken. Er wirft einen Blick auf die eingespeicherten Läutungsmuster im System: „Am besten gefällt mir das Sonntagsgeläut, weil dann eine Glocke nach der anderen erklingt. Zum Schluss verhallen die tiefen Klänge.“

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