„Geldsegen“ nicht ohne Probleme
Morgens Bewegungsraum, mittags Ruhezimmer: Im St.-Pankratius-Kindergarten wird die ehemalige dritte Gruppe multifunktional genutzt. Dabei geht es eng zu, wie die Erzieherinnen Helena Matais (l.) und Brigitta Winkler hier demonstrieren.

Die schien urplötzlich in greifbare Nähe gerückt, als der Abgeordnete Reinhold Sendker (CDU) unlängst im Gespräch mit dem Bürgermeister Bundesmittel für den U3-Ausbau ankündigte („Die Glocke“ berichtete). Die dabei verbreitete Botschaft, dass 224 000 Euro in Vellern eingesetzt werden sollten, klang nach verfrühtem Weihnachtsgeschenk. Aber so einfach, das machten Pastor Thomas Linsen und Martin Falbrede als Stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands im Gespräch mit der „Glocke“ deutlich, ist die Sache nicht.

Denn würde man die gesamte Summe in Vellern für einen Anbau verwenden, würden faktisch elf U3-Plätze gefördert. Damit, so erklärt Birgit Kröger, Leiterin der zuständigen Zentralrendantur, ginge die Gemeinde als Trägerin eine 20-jährige Zweckbindung ein. Das könne sie seriöserweise aber gar nicht, weil niemand wisse, wie lange die Zwei-Gruppen-Einrichtung in Vellern überhaupt bestehe.

Sinnvoller und bedarfsgerecht wäre also kein Neubau, sondern ein Umbau im Bestand. Der wird vom Bund nur mit maximal 8500 Euro je Platz bei einer Zweckbindung von fünf Jahren gefördert. Geld, mit dem man im Pankratius-Kindergarten die Lage durchaus verbessern könnte, wie Linsen erklärt. Optimal wäre ergänzend die Einrichtung eines durch Stadt und Kirche finanzierten Ruhe- und Sanitärraums. Ein derartiges Kooperationsmodell, das sich die Kirche auch für den St.-Joseph-Kindergarten in Neubeckum wünscht, ist aber nicht in Sicht.

 Denn gesetzt den Fall, dass aus den zugesagten Bundesmitteln nur ein kleinerer Anteil für Vellern verwendet würde und der Rest dem Neubeckumer St.-Joseph-Kindergarten zugute käme, der noch überhaupt keine U3-Betreuung anbieten kann, würde dort das Geld hinten und vorne nicht reichen. Etwa 500 000 Euro, rechnet Birgit Kröger vor, müssten dort für eine adäquate Lösung zusätzlich her. Das Bistum würde die Hälfte dieser Investitionskosten für eine dort unabdingbar erforderliche Erweiterung vermutlich bereitstellen. Aber nur dann, wenn die Stadt die gleiche Summe zusage. Und genau das lehnt Beckum zum Ärger der Kirchengemeinde kategorisch ab.

In der Ablehnung der Stadt, bei Einrichtungen in kirchlicher oder sonstiger freier Trägerschaft investiv tätig zu werden, sehen die Vertreter der St.-Pankratius-Gemeinde das zentrale Problem bei der Schaffung von U3-Plätzen. Aber auch bei den Betriebskosten drückt der Schuh, wie Birgit Kröger unterstreicht. Die unzureichende Förderung nach dem Kinderbildungsgesetz (KiBiz) hat nach ihren Worten zur völligen Aufzehrung der Rücklagen geführt. Insbesondere kleinere Einheiten wie der Pankratius-Kindergarten in Vellern, aber auch St.Michael in Roland könnten angesichts der ausgezahlten Kind-Pauschalen nicht wirtschaftlich betrieben werden.

Dennoch, so unterstreicht Pfarrer Thomas Linsen, möchte man als Gemeinde auch an den kleinen Standorten präsent bleiben. Zur Lösung der Probleme an den Standorten Vellern und Neubeckum hofft die Kirchengemeinde auf ein Umdenken bei der Stadt. Gespräche mit den Parteien vor Ort sind geplant – nach den Haushaltsberatungen 2015.

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