Haftstrafen im Cannabis-Prozess verhängt
Mit Haftstrafen ging der Prozess um die Beckumer Cannabis-Plantage zu Ende

In der Sache folgte die 3. Große Strafkammer am Donnerstag weitgehend dem Staatsanwalt. Beim Strafmaß blieb es unter dessen Forderungen, die auf viereinhalb Jahre für den Ahlener und drei Jahre für den Essener lauteten. Der Verteidiger des 30-Jährigen plädierte auf eine geringe Strafe. Die beiden Rechtsanwälte des 56-jährigen Ahleners hatten sogar einen Freispruch für ihren Mandanten gefordert.

Wie der Staatsanwalt sah auch die Strafkammer die Tatbeiträge der Angeklagten als erwiesen an. Beide hätten von Anfang an beim Aufbau und Betrieb der professionellen Cannabis-Aufzucht geholfen. Am 31. Mai 2018 war die Plantage aufgeflogen. Der Essener hatte unter anderem den Dieselgenerator für die Anlage aus Holland geholt und ihn regelmäßig betankt. Der Ahlener hatte das Heizöl dafür bestellt. Beide nannten als Auftraggeber einen ominösen Herrn Ali. Ob der tatsächlich existiert, wurde nicht geklärt.

Fest steht für das Gericht allerdings, dass es weitere Täter gab. Deshalb wertete die Kammer die Beiträge der Angeklagten zu ihren Gunsten nur als Beihilfe. Die Größe der Plantage mit 1001 Pflanzen sprach aber gegen eine mildere Strafe. Die reife Ernte hätte für weit mehr als 100 000 Konsumeinheiten gereicht. Der Essener will erst Mitte Mai zufällig von der Plantage erfahren haben und dann von Ali unter Drohungen zum Weitermachen gezwungen worden sein.

Dagegen beteuerte der Ahlener, er sei bis zuletzt ahnungslos gewesen. Nichts anderes sei ihm nachzuweisen, so seine Anwälte. Deshalb sei ein Freispruch zwingend. Er müsse aus der U-Haft entlassen und entschädigt werden.

Der Staatsanwalt sah das ganz anders. Auch wegen seines langen Vorstrafenregisters müsse der Ahlener härter bestraft werden als der bislang unbescholtene Essener. Eine Bewährungsstrafe komme allerdings auch für ihn trotz seines Teilgeständnisses nicht infrage. Dafür hätte er zur kompletten Aufklärung Falles Ross und Reiter nennen müssen. Das Gericht urteilte großzügiger.

Das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen. Denn gegen den Vermieter der Beckumer Halle, der im Prozess als Zeuge die Aussage verweigert hatte, läuft ein weiteres Verfahren. Außerdem haben die Anwälte des Ahleners gestern bereits Revision angekündigt.

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