Heimatverein arbeitet an Festschrift
Foto: Niemeyer
Arbeiten federführend an der 100-Jahre-Festschrift des Heimatvereins Beckum mit: (v. l.) Ingo Löppenberg, Maria Hagedorn, Rolf Hartmann, Maria Sudbrock und Stefan Wittenbrink.
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Am 31. März 1920 unterschreibt Robert Schmalohr im Hotel „Zu den Drei Kronen“ in Beckum als erster Vorsitzender die Satzung des Vereins für Orts- und Heimatkunde Beckum und Umgebung. Heute, nur 950 Meter weiter, sitzt Stefan Wittenbrink, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Beckum, im Dormitorium. In der Hand hält er keine Satzung, dafür aber eine Liste: Die Titel der 100-Jahre-Festschrift. 

Geheimnis gelüftet

In den 100 Jahren Geschichte des Heimatvereins hat sich also der Name etwas verändert. Aber was noch? Das wollten die Mitglieder selbst herausfinden und haben sich auf Spurensuche in die eigenen Archive und die des Kreises Warendorf begeben. Da konnte unter anderem ein Geheimnis gelüftet werden: Wie die beiden Tora-Löwen (zu sehen im Stadtmuseum Beckum) in den Besitz des Vereins kamen, war bisher unklar. Ingo Löppenberg fand den entscheidenden Hinweis: Sie wurden schon 1942, also zur Zeit des NS-Regimes, vom Heimatverein von einem Lumpenhändler aufgekauft und verwahrt. Als er das der neugierigen Runde im Beckumer Dormitorium eröffnet, wird der Entdeckergeist der Gruppe, die geschlossen an der Festschrift mitgewirkt hat, geweckt. Die ehemalige Vorsitzende Maria Hagedorn spricht von ihrem Onkel Anton Schulte, dem Pionier des Heimatvereins, so wohlwollend, dass dieser heute wohl vor Scham etwas erröten würde. Rolf Hartmann erzählt von Beckums Krieger-Ehrenmälern, die er für die Festschrift im Detail unter die Lupe genommen hat. Maria Sudrbrock blickt auf mehr als 2000 Bücher, die sie sortiert und beschriftet hat. 

Festschrift soll 2020 fertig werden

Schnell wird klar: In dem geplanten Schriftstück steckt Herzblut, Entdeckergeist und eine Menge Heimatforschung. Fertig ist es allerdings noch nicht. „Das soll in diesem Jahr aber auf jeden Fall noch passieren“, verspricht Stefan Wittenbrink eine Veröffentlichung im November. Um die 200 Seiten wird das ledergebundene Buch fassen, voll mit Leben und Erlebtem aus Beckum und Umgebung. Mitglieder des Heimatvereins bekommen es umsonst, für alle anderen Interessierten liegt der Preis der auf 400-Stück limitierten Auflage bei gut 20 Euro. 

Schön, ein Teil der Geschichte zu sein

Eine Frage bringt die sonst so redselige Runde ins Stocken: „Wie ist das Gefühl, dass Sie in einer möglichen 200-Jahre-Festschrift vorkommen werdet?“ Historiker Ingo Löppenberg bringt es dann doch gut auf den Punkt: „Das Motto des Heimatvereins ist Sammeln, Erforschen, Bewahren und Vermitteln. Heimatverbundene Beckumer, die sich mit ihrer Geschichte beschäftigen, wird es immer geben. Es ist schön, ein Teil davon zu sein.“

Veranstaltungen wurden verlegt

Großes hatte der Heimatverein Beckum für sein 100-jähriges Bestehen geplant. Die Hauptversammlung als Kreisheimattag mit namhaften Festrednern war für den 26. September vorgesehen – das geht aktuell selbstverständlich nicht. Der Vorsitzende Stefan Wittenbrink hat sie jetzt umgelegt, sozusagen auf den spätmöglichsten Termin: Am 12. März 2021 soll die Festlichkeit stattfinden, es ist der letzte Tag des Jubiläumsjahres.  Auch andere Termine müssen in das kommende Frühjahr rücken. Dazu zählen unter anderem der Tag der offenen Tür im Dormitorium, in der Höxberg-Windmühle und im Zementmuseum sowie die Film- und Fotoschau „Beckum im Wandel von 100 Jahren“. 

Die Arbeitstitel stehen

Bis dahin können sich Heimatinteressierte aber mit Hilfe der bald erscheinenden Festschrift über die Geschichte informieren. Das vorläufige Inhaltsverzeichnis sieht wie folgt aus (die Titel sind allesamt noch Arbeitstitel; Anm. d. Red.): 1. Ingo Löppenberg und Stefan Wittenbrink: Die Vereinsgeschichte von 1920 bis 2020. 2. Ingo Löppenberg: Die 700-Jahrfeier der Stadt Beckum 1924 und die Zusammenhänge mit der Vereinsgründung. 3. Maria Sudbrock und Stefan Wittenbrink: Das Heimatarchiv und die heimatgeschichtlichen Sammlungen. 4. Stefan Wittenbrink: Das Wirken des Vereins in Arbeitsgruppen, Projekten und Beteiligungen. 5. Maria Hagedorn: Anton Schulte – Heimatforscher und langjährige Seele des Vereins. 6. Rolf Hartmann: Der Kriegerverein Beckum und die Krieger-Ehrenmale. 7. Dr. Karl Ditt: Die Entstehung und Entwicklung der westfälischen Heimatbewegung.

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