Konzept für  Sekundarschule vorgestellt
Für den Entwurf eines pädagogischen Konzepts der neu zu gründenden Sekundarschule zeichnen (v.l.) Jeyagumaar Pirashanthan, Jürgen Laukötter, Cäcilia Heiermann-Stolte, Markus Gleich, Mechthild Cappenberg, Klaus Hogrebe, Dr. Evelyn Hilbk, Barbara Bollmann, Marie-Theres Biekmann, Birsen Kücük, Bernd Söthe, Jennifer Pahl und Norbert Gehrke verantwortlich.

Deshalb hatte die Stadt Beckum zum Informationsabend in die Aula der Realschule eingeladen. Als Vertreter der 13-köpfigen Arbeitsgruppe, die das pädagogische Konzept der neu zu gründenden Bildungseinrichtung bereits in Angriff genommen hat, stellten Mechthild Cappenberg von der Ketteler-Hauptschule, Bernd Söthe, Schulleiter der Overbergschule, sowie Dr. Evelyn Hilbk, Leiterin der Realschule, rund 220 Erziehungsberechtigten die Marschrichtung vor. Ein Motto hatte sich das Lehrer-Team auch schon ausgedacht. „Sekundarschule - Gemeinsam. Leben. Lernen“ ist es überschrieben.

Die Kernidee: In einer Schule für alle sollen in heterogenen Gruppen Begabungen entfaltet und Lernwege entwickelt werden. Die Verschiedenheit der Begabungen, Fähigkeiten und Biografien seien eine Chance, um herausfordernde und fördernde Lernsituationen zu initiieren, erklärte Mechthild Cappenberg.

Eine intensive Diagnostik sei Grundlage dafür. Im ersten Halbjahr der fünften Klasse würde es zunächst keine Noten geben, sondern ein Berichtzeugnis, ergänzte Dr. Evelyn Hilbk. Jedem Kind gestehe man seine individuelle Lernzeit zu. Das eigenverantwortliche Lernen werde geschult. Das sogenannte „Drehtürmodell“ ermögliche esstarken Schülern, Fachunterricht in der nächst höheren Klasse zu absolvieren oder an eigenen Projekten zu arbeiten. Im gebundenen Ganztag beginne der Unterricht um 8 Uhr und ende an drei langen Tagen mit Nachmittagsunterricht um 15 Uhr, ansonsten um 13.10 Uhr. Der Unterricht erfolge in Doppelstunden mit sinnvollen Pausenphasen.

Erst ab Klasse 7 erfolge eine Leistungsdifferenzierung in den drei Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch. In Klasse 6 entschieden sich die Schüler zum Beispiel zwischen den Profilen Sprache (Französisch), Sport und Gesundheit, ästhetische Bildung oder Technik, die nach einem Jahr noch gewechselt werden könnten, bevor man sich endgültig festlegen müsse. Jede Klasse wird von zwei Klassenlehrern geführt. Es werden alle Abschlüsse und Berechtigungen der Sekundarstufe I vergeben.

 Als Kooperationspartner für die Sekundarstufe II stehen das AMG, das Kopernikus-Gymnasium und das Berufskolleg bereit.

Informations- und Diskussionsbedarf bei den Eltern sind groß. Das konnte nicht nur Bürgermeister Dr. Karl-Uwe Strothmann feststellen, der die Einführung zum Thema Sekundarschule übernahm. Warum denn keine Gesamtschule für ganz Beckum errichtet worden sei, wurde gefragt. Auch wurde kritisiert, dass die Kettelerschule so aufwändig renoviert worden sei und jetzt doch geschlossen würde.

Vier Oberstufen nebeneinander wären für den Rat nicht in Frage gekommen. Das sei wohl der Hauptgrund gewesen, sich für das Sekundarschul-Modell zu entscheiden, erklärte der Bürgermeister. Die Kettelerschule sei bestens für eine Nachfolgeschule zu nutzen.

Welche Gesichtspunkte wohl dafür sprächen, sich ausgerechnet für eine Sekundarschule zu entscheiden und nicht für die Gesamtschule, konkretisierte Dr. Evelyn Hilbk. Zum einen sei die Ortsnähe für die Kinder wichtig, zum anderen könne man auf gewachsene Strukturen beispielsweise in der Sozialarbeit mit dem Kooperationspartner Jugendgerichtshilfe zurückgreifen und über die Langzeitpraktika beider Schulen auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Beckumer Betrieben.

Nach der Klasse 10 sei außerdem garantiert, bei einem der gymnasialen Kooperationspartner aufgenommen werden zu können. Schließlich würden Modelle wie die der Sekundarschule in anderen Bundesländern bereits erfolgreich durchgeführt. Man habe solche Schulen besucht und pflege den Austausch, fuhr die Realschulleiterin fort. Eltern hätten jetzt die Möglichkeit, die Schule mitzugestalten. Ein vertrauensvolles Miteinander und gegenseitige Wertschätzung seien gewünscht.

Eher skeptisch sah mancher, dass sich die neue Schule auf den Weg in die Inklusion machen wird und befürchtete, dass die behinderten Kinder ebenso auf der Strecke bleiben könnten wie auch andere eher schwache Schüler. Bernhard Söthe, Leiter der Overbergschule, hielt dem entgegen: „Wir haben hier die Chance, ganz neue Lernmodelle zu erarbeiten.“ Wenn auch nicht jeden Tag, würden Sonderpädagogen regelmäßig das Unterrichtsgeschehen begleiten. Ansonsten gelte auch für diese Kinder das eigenverantwortliche Lernen, um sich weiter zu entwickeln, schloss er seine Ausführungen.

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