Martinskirche: Gründe für Denkmalschutz
Bild: Biefang
Am heutigen Donnerstag soll im Schul-, Kultur- und Sportausschuss über die Eintragung des Gebäudes der profanierten Martinskirche in die Denkmalliste entschieden werden.
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Die Stadtverwaltung spricht sich nach entsprechendem Votum des Landschaftsverbandes für die Unterschutzstellung des 1956 bis 1958 errichteten Gebäudes aus. Der geplanten Umnutzung steht das nicht im Wege. Die Planungen des Eigentümers zum Umbau der Kirche sind laut Sitzungsvorlage von der Verwaltung und insbesondere der Unteren Denkmalbehörde intensiv begleitet worden. Als schützenswert wird die Martinskirche unter gleich mehreren Gesichtspunkten eingestuft.

In ortsgeschichtlicher Hinsicht wird angeführt, dass die Kirche der örtlichen Zementindustrie als Vorzeigeprojekt galt. Sie stellte kostenlos Zement für die Errichtung zur Verfügung. Damit erlangt die sichtbare Betonkonstruktion an diesem Standort besondere Bedeutung. Architekturgeschichtlich verweisen die Fachleute auf die besondere Formensprache, die „konsequent aus dem Motiv der im Inneren sichtbaren tragenden Parabelbögen entwickelt ist“. Der gute Überlieferungszustand mit Elementen wie Waschbeton-Fassadenplatten und Betonsteinverglasungen machten den Entwurf bis heute gut nachvollziehbar.

Aus religionsgeschichtlicher Sicht bildet St. Martin laut Gutachtereinschätzung eines der wenigen Beispiele einer Innenraumgestaltung vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, bei der Altar und Tabernakel noch in ihrer ursprünglichen Disposition erhalten blieben.

Siedlungsgeschichtlich schließlich steht der selbstbewusste Kirchenbau für die Entwicklung der Stadt in Richtung Westen. Städtebauliche Bedeutung hat der hohe Glockenturm, der als „zentraler Punkt im Stadtgefüge“ den gesamten offenen Grünbereich südwestlich der Altstadt bestimmt.

Welche Umbauten nach Unterschutzstellung erlaubt sind, beschäftigt den Ausschuss am Donnerstag in einem eigenen Tagesordnungspunkt.

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