Maskenpflicht: Was die Bürger denken
Bild: Himmel
Ganz in Rot: Ulrike Borg sieht in der Maskenpflicht für schulfähige Kinder die Gefahr der beschleunigten Ausbreitung des Corona-Virus, weil Kinder gerne Sachen tauschen. Viele Bürger diskutieren über die Maßnahme – auch in Beckum auf dem Wochenmarkt.
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Dass die Regelung zudem auf Wochenmärkten umgesetzt werden muss, ist mehr als angebracht. Denn wer das Treiben am Samstag zwischen Clemens-August-Straße und Elisabethstraße beobachten konnte, hatte die Wahl zwischen stoischer Gelassenheit nach dem Motto „Es wird schon kein Infizierter dabei sein“, einem Wutausbruch mit der klaren Ansage „Kommen Sie mir nicht zu nahe!“ oder der Flucht in ein Lebensmittelgeschäft mit vermeintlich rücksichtsvollen Kunden. Selbstvergessen schlenderten viele Beckumer an den gut sortierten Ständen vorbei und rückten ihren Mitbürgern dabei vor lauter Begeisterung ordentlich auf die Pelle. Das gute Wetter trug sicher dazu bei, dass gute Stimmung herrschte und großer Andrang. Einige Maskenträger gehörten bereits zum beinahe idyllischen Bild wie in besseren Tagen. Doch die Anzahl war eher gering.

Elke Brunnert hatte sich unterdessen entschlossen, etwas zu unternehmen, als sie sich ungeschützt an den „Gefahrenort“ zu begeben. Zwar noch nicht „vermummt“, jedoch mit Nasen-Mundschutz in der Tasche und der klaren Meinung, dass die Verpflichtung nötig sei. „Die Masken sind ein zusätzlicher Schutz für mich und andere“, stellte sie im Gespräch mit der „Glocke“ klar, dass die Maßnahme gerechtfertigt sei. Dabei hatte die Beckumerin Situationen wie die auf dem Wochenmarkt im Blick. Gut hätte sie gefunden, wenn wie in Oelde als Vorabmaßnahme Masken verteilt worden wären. Denn sich welche zu organisieren, sei schon mit Hindernissen verbunden gewesen. Auch dachte sie dabei an Familien mit geringem Einkommen und Senioren mit niedriger Rente, die doch ziemlich zur Kasse gebeten würden.

Dass man vor fünf Wochen schon eine derartige Verpflichtung hätte durchsetzen müssen, fanden Jutta und Peter Stefan aus Sünninghausen. Und waren bestens informiert, welche Wirkung die einzelnen Maskentypen für sich und andere haben. Helga und Klaus Hagemann trugen bereits selbstgenähte Masken. „Montag geht es ja ohnehin los. Deshalb tragen wir sie schon heute“, so das Ehepaar am Samstag. Die Lockerungen, die damit verbunden seien, wären völlig verfrüht, kritisierten sie. Einen speziellen Schal trug Werner Pelka und beklagte die Wärme darunter. Doch diese Einschränkung wollte der 81-Jährige gern in Kauf nehmen, um nicht weiter zu Hause bleiben zu müssen, während Ehefrau Ursula alle Einkäufe erledigte.

Wenn eine modische Variante hilft, die Situation leichter hinzunehmen, warum nicht die Maske auf die übrige Bekleidung abstimmen, dachte sich Ulrike Borg. Für äußerst bedenklich hielt sie die Tatsache, dass auch schulfähige Kinder unter die Verpflichteten fallen. „Die finden es doch toll, mal Sachen zu tauschen“, berichtete die Erzieherin aus Erfahrung. Diese Gefahr sieht die 50-Jährige nun bei der Nutzung von Masken mit besonders schönen Motiven: „Dann geht es ruckzuck mit der Ansteckung“, mutmaßte sie. Deutlich wurde: Das Thema ist vielschichtig.

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