Nächtliche Abschiebung wirft Fragen auf
Bild: Bussieweke
Sorgen sich um den Verbleib der Familie aus Serbien: (v.l.) Dolores Bartels, Sabrina Busch und Christina Buchmüller mit ihrer siebenjährigen Tochter Lana.
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Von der Nacht-und-Nebel-Aktion entsetzt sind die Nachbarn der Familie. Sie sitzen um den Wohnzimmertisch, die Köpfe in die Hände gestützt. Sie können immer noch nicht fassen, was passiert ist, und sind ratlos, wie es weitergehen soll. „Meine Mutter ist aufgewacht und hat durch das Fenster nur gesehen, wie das Ehepaar und ihre drei Kinder abgeführt wurden“, sagt Christina Buchmüller. Bei ihr sind Dolores Bartels und Sabrina Busch, ebenfalls Nachbarn der Familie aus Serbien.

„Das ist einfach unfair“

Die drei haben direkt am Mittwoch eine Facebook-Seite gegründet: „Ungerechte Abschiebungen“. Das Titelbild der Gruppe zeigt die Familie, die die Nachbarn als gut integriert beschreiben. „Der Mann hat mir beim Einzug geholfen, sie waren bei unserem Nachbarschaftsfest und die Kinder gehen gemeinsam zur Schule“, sagt Dolores Bartels und fügt an: „Das ist einfach unfair. Straffällige Einwanderer dürfen teilweise bleiben. Wer gut integriert ist und arbeiten will, wird abgeschoben.“

Auch für die Kinder von Busch und Buchmüller sei die Hauruck-Abschiebung ein Schock. „Den einen Tag waren die Kinder noch in der Schule, dann auf einmal nicht mehr. Unsere Kinder wollen ihre Freunde zurück“, bekräftigen sie. Beim Reden werden ihre Augen etwas glasig. Es war keine bloße Nachbarschaft zwischen ihnen und der serbischen Familie. Es sind enge Freundschaften entstanden.

Bamf lehnt Asylverfahren der Familie ab

Auf Nachfrage stellt der Kreis Warendorf klar: Die Ausländerbehörden seien reines Vollstreckungsorgan für die Entscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Die Asylverfahren der Familie seien durch das Bamf abgelehnt worden. Damit bestand eine Ausreisepflicht für die Familie.

Vorab hatte die Ausländerbehörde der Familie die Möglichkeit der freiwilligen Ausreise gegeben. Diese hätte mit gut 4800 Euro durch den Kreis Warendorf gefördert werden können (es gibt ein eigenes Förderprogramm für die freiwillige Rückkehr von Personen aus sicheren Herkunftsstaaten). Von dieser Möglichkeit wollte die Familie jedoch keinen Gebrauch machen. Daher wurde sie von der Ausländerbehörde darauf hingewiesen, dass sie mit einer Abschiebung rechnen müsse.

Handschellen angelegt aus Angst vor Übergriffen

Bei der Abschiebung in Beckum am Mittwoch um 4 Uhr nachts wurden auch Handschellen eingesetzt. Hierbei handelt es sich um Maßnahmen zum Schutz der Betroffenen, aber auch der Mitarbeiter der Ausländerbehörde, erklärt Kerstin Butz von der Kreisverwaltung. Grund seien verschiedene, in letzter Zeit häufiger vorgekommene Gewaltanwendungen Betroffener gegen die Mitarbeiter der Ausländerbehörde.

Solche Übergriffe habe es auch bei Abschiebungen gegeben, die zunächst ganz ruhig abgelaufen seien, dann aber völlig unvorhersehbar eskalierten. Daher sei der Einsatz von Handschellen inzwischen Standard. Serbien wird als sicheres Herkunftsland eingestuft.

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