Oelder Fusions-Ausstieg ernüchtert
EVB und EVO unter einem Dach? Diese Perspektive ist nach Aufkündigung der Fusionsgespräche durch die Mehrheit im Oelder Rat wohl endgültig geplatzt.

Die Oelder Entscheidung sei falsch und kurzsichtig. „Es gibt keinen ernsthaften Grund, die Fusion nicht zu vollziehen“, befand Koch, der von Verlierern auf allen Seiten spricht. Dazu zählt er vor allem die beiden Unternehmen selbst. Allein die Energieversorgung Beckum habe die gutachterliche Begleitung der mehr als einjährigen Verhandlungen mindestens 100 000 Euro gekostet. Dazu entgeht der EVB die in Aussicht gestellte Fusionsprämie der RWE in Höhe von 400 000 Euro. Schließlich, so machte Koch deutlich, hätte der geplante Zusammenschluss Synergieeffekte und damit Einsparungen im Bereich von einer Million Euro pro Jahr gebracht.

Zu den Verlierern rechnet Koch aber auch die Mitarbeiter beider Unternehmen, die den Zusammenschluss detailliert vorbereitet und sich persönlich auf den kurzfristigen Vollzug eingestellt hätten. Der Aufsichtsratsvorsitzende kann sich keinen Reim darauf machen, warum der Oelder Rat die Fusion an Themen scheitern lässt, die längst auf der Tagesordnung gestanden hatten. Sehr früh seien Fragen nach der Geschäftsführung oder dem künftigen Unternehmenssitz aufgetaucht. Dass die nun zum „Show-Stopper“ wurden, leuchtet Koch nicht ein.

 Die Tür zur Fusion sieht Koch durch die Oelder Seite nachhaltig zugeschlagen. Für die EVB als gesundes Unternehmen gelte es nun, Optionen zur weiteren Stärkung zu prüfen. Dabei gehe es nicht darum, um jeden Preis einen anderen Fusions-Partner zu finden. „Wir haben keinen Plan B in der Tasche“, erklärte Koch.

Das unterstreicht auch EVB-Geschäftsführerin Dr. Marion Kapsa, die in einer Stellungnahme davon sprach, dass seitens der Stadt Oelde eine Chance vergeben worden sei. Die Fusionsverträge seien bereits vor drei Wochen unterschriftsreif gewesen, auch die von Oelder Seite angeführten Punkte Firmensitz und Geschäftsführung seien durchverhandelt und entschieden gewesen. Kapsa verwies darauf, dass seitens beider Projektteams, die 18 Monate lang beteiligt waren, teilweise Unverständnis bezüglich der politischen Mehrheitsentscheidung in Oelde herrscht.

Verständnislos bis verärgert reagierten die Mitglieder des Beckumer Rates am Dienstagabend auf den Oelder Beschluss zum Ausstieg aus den Fusionsverhandlungen. Bürgermeister Dr. Karl-Uwe Strothmann zeichnete zum Auftakt der Aussprache noch einmal den Weg von den ersten Kontakten im Jahr 2011 über die Konkretisierung der Pläne zum Zusammenschluss von EVO und EVB bis zum abrupten Scheitern des Projektes nach.

Der Bürgermeister legte dar, dass die Beckumer Seite den Oelder Gesprächspartnern in vielen Punkten weit entgegengekommen sei, um die Fusion zu ermöglichen. Er erwähnte die Beschränkung des RWE-Anteile-Zukaufs auf 15 Prozent, um den Partner nicht zu dominieren und die später erklärte Bereitschaft, das EVB-Engagement beim Gekko-Projekt gänzlich aus dem fusionierten Unternehmen herauszulösen. Strothmann verwies ferner auf die Bereitschaft, die umstrittene Frage der Geschäftsführung durch ein offenes Auswahlverfahren zwischen den beiden amtierenden Geschäftsführern zu entscheiden. Dies allerdings sei von Oelde nicht akzeptiert worden. „Von unserer Seite ist alles getan worden, um diese Fusion zu erreichen“, fasste Strothmann zusammen.

Dass die Politiker aus der Nachbarstadt dennoch zurückzogen, empörte Werner Knepper (CDU). In ungewöhnlich deutlichen Worten kritisierte er den Ratsbeschluss aus Oelde, der eine maßgebliche Entlastung der Stromkunden in beiden Städten vereitele. Der Umstand, dass von den bisherigen Verhandlungspartnern nicht einmal eine weitere Kooperation unterhalb der Fusionsebene angeboten worden ist, wertet Knepper als Indiz dafür, dass „willkürlich gegen Oelder und Beckumer Bürger entschieden wurde.“

Der Kritik schlossen sich Elisabeth Wieschebrink (FDP) und Gregor Stöppel (FWG) an, der insbesondere die Aussage des Oelder Bürgermeistersbrandmarkte, dass das „Bauchgefühl“ bei dem geplanten Zusammenschluss nicht stimme. Zuvor hatte bereits Karsten Koch als SPD-Fraktionschef und EVB-Aufsichtsratsvorsitzender seine Enttäuschung über den Rückzieher der Verhandlungspartner erklärt.

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