Orden ist Hommage an die Brautradition
Bild: Wille
Sie präsentieren stolz den neuen Orden: (v. l.) die Bauknechte Norbert Steinhoff und Franz-Josef Möllers mit dem Inhaber der Brauerei Stiefel Jürgens, Heiner Jürgens.
Bild: Wille

 „Wir haben uns in diesem Jahr für die Brautradition entschieden“, erklärt Pritschenmeister Franz-Josef Möllers. Seit 1986 bringen die Beckumer Bauknechte jedes Jahr zur neuen Session einen Orden heraus, den zum Beispiel Gebäude oder Personen zieren, die für Brauchtum und Geschichte der Püttstadt stehen. Trug man im Karneval 2019 noch den Steinkühler um den Hals, darf man sich bald mit dem Traditionshaus Stiefel Jürgens schmücken. In einer Auflage von 900 Stück – 600 silberfarben, 300 messingfarben – haben die Bauknechte die Orden anfertigen lassen, die in der Karnevalszeit und auch beim traditionellen Heischegang am Rosenmontag zum Preis von fünf Euro verkauft werden. Wer mehr Geld geben möchte, darf das gern. Denn der Erlös fließt ohne Umwege in Spendenaktionen, für die sich die Bauknechte stets starkmachen.

Letzte Brauerei in der Püttstadt

Brauchtum zu stärken ist das erklärte Ziel der Beckumer Bauknechte. Und Brauereien gehören eben zum Brauchtum dazu. Da das Stiefel Jürgens nicht nur die älteste Brauerei Westfalens, sondern auch die letzte verbliebene in der Püttstadt ist, ist es nicht verwunderlich, dass das Traditionshaus seinen Weg auf den Bauknechte-Orden gefunden hat.

Beckum war Bier-Hochburg

1617 war Beckum noch eine echte Bier-Hochburg. Denn vor gut 400 Jahren gab es in der Püttstadt noch 46 namentlich überlieferte Bierbrauer. 55 Jahre später sind immer noch 40 Brauer dokumentiert. Auch die Kirche besaß eine Braupfanne, das Kloster Blumenthal verfügte sogar über ein eigenes Brauhaus. Damals hatte der Rat beschlossen, allen Bürgern das Brauen zu ermöglichen, und schaffte dazu für den Ratskeller die Gerätschaften an, sodass jeder gegen geringe Gebühr sein Bier selbst brauen konnte. Der Ratskeller befindet sich nach wie vor im Kellergeschoss unterhalb der Apotheke am Markt. Der Zugang liegt unter der Treppe, die Tür ist jedoch zugemauert.

Bier mit Kultfaktor

Seit 1680 wird im Stiefel Jürgens an der Hühlstraße der Gerstensaft gebraut. „Meine Urgroßmutter hat unseren Braukessel verteidigt“, sagt Heiner Jürgens lächelnd. Als zu Kriegszwecken auch Kessel eingeschmolzen werden sollten, zeigte sich die Frau des Hauses renitent – zur Freude der Bierliebhaber, die heute in den Genuss des Getränks kommen. Und wieso heißt das Traditionshaus Stiefel Jürgens? „Früher gab es viele Gaststätten mit dem Namen Jürgens. Die Zunft der Schuhmacher feierte bei uns ihr Kaptanfest“, erklärt Heiner Jürgens. Die Anwesenheit der Schuhmacher bescherte dem Brauhaus also seinen Namen, der gleichzeitig auch ein bisschen Kultfaktor hat. Denn noch heute kann man sein Bier im Beckumer Traditionshaus aus einem stiefelförmigen Glas trinken. In neunter Generation führt Heiner Jürgens das Brauchtum in Beckum fort. 400 Hektoliter Gerstensaft werden jährlich an der Hühlstraße produziert und an durstige Gäste ausgeschenkt. Sechs verschiedene Sorten wurden in dem Brauhaus bislang entwickelt. Das dürfte einen eigenen Orden rechtfertigen.

SOCIAL BOOKMARKS