Ratten verängstigen Mieter in Beckum
Bild: Wille
Auf der Fensterbank haben mehrere Ratten gesessen und in das Fenster geschaut: Dieses Szenario haben (v. l.) Brigitte Brune und Ilse Heimann von ihrer Wohnung an der Hühlstraße aus beobachtet.
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„Ich bin total fertig. Man kann von hier sehen, wie sie angerannt kommen“, sagt Ilse Heimann, als sie vom Küchenfenster aus auf ihre Dachterrasse blickt. Die Terrassentür öffnet sie nicht mehr. „Ich kann nicht mehr lüften“, sagt sie verzweifelt. Mindestens 20 Ratten hätten es sich gemütlich gemacht, erklärt die Seniorin.

Nachbarin bestätigt Beobachtung

Ihre Nachbarin Brigitte Brune kann dieses Szenario bestätigen. Auch sie habe Ratten direkt vor ihrem Fenster beobachtet, betont sie. „Erst habe ich gedacht, Ilse spinnt. Aber als ich das gesehen habe, bin ich sofort zu ihr gegangen. Ich habe nur noch geweint“, sagt die 76-Jährige.

Ilse Heimann deutet auf eine schwarze Box. Ein Schädlingsbekämpfer, den die Hausverwaltung jetzt beauftragt hat, hat die Giftfallen aufgestellt. „Der Kammerjäger hat gesagt, dass er so etwas noch nie gesehen hätte“, erinnert sich die Beckumerin. Denn selbst als der Mitarbeiter mit seinem Fallen anrückte, versteckten sich die Ratten nicht. „Plötzlich sah man ganz viele Ratten hier, alle hatten die weißen Päckchen im Maul“, erzählt Ilse Heimann.

Angst ist da, das Fenster zu öffnen

Bei den Päckchen handelt es sich um Beutel, die mit Gift gefüllt sind. Seitdem hat die Beckumerin die ungebetenen Gäste nicht mehr gesehen. Angst, das Fenster zu öffnen, hat sie aber immer noch. Nicht nur die beiden älteren Frauen haben die Schädlinge beobachtet.

Auch den übrigen Nachbarn ist das Problem nicht neu. Sie haben sich bereits ans Gesundheitsamt des Kreises und an das Ordnungsamt der Stadt Beckum gewandt. Auf Nachfrage der „Glocke“ erklärt Stadtpressesprecherin Sandra Berges, dass das Problem an der Hühlstraße bekannt sei. In erster Linie sei immer der Eigentümer, in diesem Fall die Hausverwaltung, für die Rattenbekämpfung auf dem eigenen Grundstück zuständig.

Stadt geht nicht von einer Plage aus

Es gebe einzelne Beschwerden über Rattensichtungen in der Innenstadt. „Die Stadt belegt mit Hilfe einer Fachfirma die Abwasserkanäle in regelmäßigen Abständen, da diese erfahrungsgemäß als Rückzugsort der Tiere dienen, mit Ködern. Bei Beschwerden oder Erkenntnissen über vermehrte Rattensichtungen werden diese Belegungen auch intensiviert.“ Von einer Plage gehe die Stadt allerdings zurzeit nicht aus. Die Situation werde aber beobachtet, betont sie.

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