Starkregen überfordert Kanalisation
Foto: Kiffmeyer
Da braut sich was zusammnen: Das beeindruckende Bild von der Gewitterwolke über Beckum gelang Marcus Kiffmeyer am vergangenen Sonntag kurz vor dem Platzregen. Bei Regenereignissen wie am  Wochenende ist die Kanalisation überfordert.
Foto: Kiffmeyer

Die in kürzester Zeit anfallenden Wassermengen müssen abgeleitet, teilweise der Kläranlage zugeführt werden. Ein schwieriges Unterfangen, wenn die Kanalisation an ihre Aufnahmegrenzen stößt. Alle fünf bis zehn Jahre, so erklärt Fachbereichsleiter Horst Schenkel auf Anfrage der „Glocke“, kommt es zu einer Flut wie am Wochenende. „Die Kanalisation in Neubeckum wurde stark beansprucht“, bilanziert er. Dort hatten mehrere Keller einen Rückstau aus dem Kanal. Dagegen, so macht Schenkel deutlich, können sich die Gebäudeeigentümer mit Rückstaueinrichtungen schützen. Kein probates Mittel gibt es dagegen gegen die Überflutung von Unterführungen. Dort sammelte sich das Wasser vorübergehend, konnte dann aber relativ zügig abfließen. Und wohin? „Die Stadtteile Beckum, Neubeckum, Roland und Vellern entwässern größtenteils historisch im Mischsystem“, erklärt Schenkel. Das heißt: Das reinigungspflichtige Mischwasser wird der Kläranlage zugeführt. Neuere Wohnbaugebiete entwässern dagegen im Trennsystem. Das Niederschlagswasser wird in einem Regenrückhaltebecken gespeichert und gedrosselt in das Gewässer eingeleitet. Bei neueren Gewerbegebieten wie an der Oberen Brede ist im Trennsystem zusätzlich auch noch ein Regenklärbecken vorgesehen.

Querschnitt wird bei häufiger Überlastung erweitert

Wenn bei extremen Niederschlägen das Mischwasser auch mit Rückhalteeinrichtungen nicht mehr vollständig durch das Kanalnetz abgeleitet werden kann, gibt es einen planmäßigen Überlauf, wie Horst Schenkel erläutert. Auf jeden Fall klärpflichtig ist nach seiner Darstellung der erste Spülstoß im Mischwasserkanal, durch den Ablagerungen durch die vermehrten Regenwassermengen gelöst werden. „Mit zunehmendem Regen wird die Verschmutzung im Mischwasserkanal auf das Maß von gereinigtem Abwasser in der Kläranlage reduziert, sodass mit der Erlaubnis der Genehmigungsbehörden das nicht mehr klärpflichtige Mischwasser bei großen Regenereignissen an Regenüberläufen in Gewässer eingeleitet werden kann“, verdeutlicht Schenkel.

Als neuralgische Punkte im Stadtgebiet, also Bereiche, in denen Gebäude oder auch Straßen und Wege hauptsächlich überflutungsgefährdet sind, betrachtet Schenkel vor allem die Straßenunterführungen in Neubeckum. Sie hätten sich als Schwachpunkte gezeigt. Verbesserungsmaßnahmen seien aktuell nicht geplant. Größere Schäden waren durch die kurzfristige Überflutung nicht festzustellen

Für den Überflutungsschutz in der Kanalisation wurde vor Jahren das Kanalnetz hydraulisch berechnet und Schwachpunkte wurden rechnerisch aufgezeigt, wie Schenkel weiter berichtet. Bei hydraulisch überlasteten Kanalabschnitten, wie der Brückenstraße bis Windmühlenstraße oder der Gustav-Moll-Straße wurde der Rohrquerschnitt bereits vergrößert. Das soll künftig auch im Schlenkhoffsweg und im Lerchenweg passieren. Zum Hochwasserschutz an den Gewässern nennt Schenkel den Ausbau von Rüenkolk und die Werse.

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