Steinmeier-Wahlauftritt in kleinem Kreis
Auch Frank-Walter Steinmeiers Unterschrift ziert jetzt die Lasalle-Biografie, die Bernhard Daldrup (r.) von prominenten Parteifreunden signieren lässt.

Rund 30 persönlich geladene Gäste nutzten die Gelegenheit zum Gedankenaustausch mit dem prominenten Politiker, der in zunächst nichtöffentlicher Frühstücksrunde stattfand. Eine kleine, aber durchaus repräsentative Gästeschar, wie Daldrup anschließend beim Pressegespräch befand. Mitglieder des Beckumer Industrievereins fanden sich ebenso im Auditorium wie Vertreter des Gewerbevereins oder der ortsansässigen Banken. Um Mindestlöhne und Steuersätze sei es durchaus auch gegangen, bilanzierte Steinmeier den Verlauf des Gesprächs.

Jenseits dieser vermeintlichen Wahlkampf-Reizthemen interessierten die mittelständische Wirtschaft andere Fragen aber womöglich mehr. Allen voran die Energiedebatte. Für die Zementindustrie fragte Joachim Klein als Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Zement und Baustoffe nach. Die Botschaft des SPD-Fraktionschefs: Firmen, bei denen der Einsatz von Energie das Produktionsmittel ist, müssen auch weiterhin entlastet werden. „Alle Unternehmen gleich zu behandeln, wäre ungleich“, erklärte Steinmeier.

Der Berliner SPD-Wahlkämpfer sah sich in der Diskussion nicht allein mit wirtschaftspolitischen, sondern auch mit sozialpolitischen Fragen konfrontiert. So bezog er zur doppelten Staatsbürgerschaft ebenso Stellung wie zum System der Pflegeversicherung. In Sachen Pflegeversicherung hatte Marion Wank, Leiterin der Caritas-Sozialstation C.E.M.M., eine stärkere Förderung der Tagespflege und verständlichere Regelungen gefordert. Sinnvoll sei ein Fördertopf, der für die verschiedenen Aufgaben ausgeschöpft werden könne. „Der Anteil der Pflegebedürftigen wird um 25 Prozent ansteigen, das kann dann mit demselben Geld nicht mehr funktionieren“, stimmte ihr Steinmeier zu und regte eine Erhöhung der Pflegeversicherungsbeiträge um ein halbes Prozent an. Zudem sei es wichtig, bereits bei der Gesundheitsvorsorge zu beginnen.

Günter Wiedeking nutzte gar die Gelegenheit, um Unterstützung für seinen umstrittenen Plan zu werben, an der Cheruskerstraße einen großflächigen Drogeriemarkt anzusiedeln. Ein derartiger Konflikt, so beschied ihn Steinmeier, könne allerdings von der Bundespolitik nicht beeinflusst, sondern müsse vor Ort gelöst werden.

Zum Abschluss seiner Visite signierte Steinmeier eine Biografie des Parteigründers Ferdinand Lasalle aus dem Jahr 1909. Die hat Bernhard Daldrup aus dem Bestand der Bibliothek des Freiherrn Wessel von Landsberg-Velen erhalten und lässt sie nun mit den Autogrammen prominenter Parteifreunde „veredeln“.

SOCIAL BOOKMARKS