Sterbebegleitung - eine Herzenssache
Bild: Tenbrock
Eine besondere Form der Zuwendung möchte Katja Hatscher Menschen in ihrer letzten Lebensphase im Julie-Hausmann-Haus zuteil werden lassen. Für das Projekt „Ehrenamtliche Wegbegleiter im Hospizdienst“ sucht sie engagierte Mitstreiter.
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Mit einem neuen Projekt will das Seniorenheim im Zentrum Beckums das ermöglichen, was keinesfalls selbstverständlich ist: „Sterben in Geborgenheit“. Das Thema Sterben und Tod ist im aufgeklärten 21. Jahrhundert „gesellschaftlich immer noch ein Tabuthema“, weiß Heimleiterin Elisabeth Jansen. Viele Ängste seien damit verbunden. „Um diese Ängste aufzubrechen, bedarf es neuer Projekte“, ist sie überzeugt. Das Julie-Hausmann-Haus wolle seine Bewohner beim Sterben nicht allein lassen, sondern sie intensiv begleiten, damit sie bis zuletzt würdevoll leben können.

„Wir suchen Menschen, die den Sterbenden zur Seite stehen“

„Wir suchen Menschen, die den Sterbenden zur Seite stehen – die Zeit haben, Zuwendung und Nähe geben möchten, die frei sind und in keiner festen Arbeitsstruktur wie eine Pflegekraft eingebunden, um Bewohnern in ihrer letzten Lebensphase eine Begleitung anbieten zu können, die zusätzliche Zuwendung ermöglicht“, erläutert Katja Hatscher, zuständig für die Koordination der Hospizarbeit im Haus und Initiatorin des Projekts. Maßgeblich ist ihr zufolge, die Bedürfnisse und Wünsche der Betroffenen zu erkennen und zu respektieren.

Gesetzliche Veränderungen führen zu neuen Strukturen

Hintergrund des Projekts sind auch gesetzliche Veränderungen, die zu neuen Strukturen führen: „Der geltende Grundsatz, dass die ambulante Versorgung vor einer stationären steht, hat dazu geführt, dass pflegebedürftige Menschen immer länger zu Hause versorgt werden und erst dann ins Altenheim kommen, wenn sie nicht mehr allein bleiben können“, berichtet Elisabeth Jansen. Das stellt auch die Seniorenzentren vor neue Herausforderungen: „Der Anteil an schwerkranken und sterbenden Bewohnern innerhalb der Einrichtungen nimmt kontinuierlich zu“, führt die Hausleiterin aus. „Die Menschen kommen zum Sterben zu uns.“ So werden engagierte Helfer gebraucht, „die sich die anspruchsvolle Aufgabe auch zutrauen“. Aber auf sich allein gestellt, sei niemand. Denn Interessierte werden laut Katja Hatscher intensiv in einem Qualifizierungskursus auf ihre Aufgabe vorbereitet und zudem mittels Reflexionsgesprächen und Supervision betreut. Da die Ehrenamtler im Haus arbeiten, stehe ihnen ein Ansprechpartner immer zur Verfügung.

Ausbildung zum ehrenamtlichen Lebens- und Wegbegleiter im Hospizdienst

Die Ausbildung zum ehrenamtlichen Lebens- und Wegbegleiter im Hospizdienst im Julie-Hausmann-Haus beginnt im Sommer und umfasst 100 Unterrichtsstunden, die Montagabend und einmal im Monat auch am Freitag sowie Samstag stattfinden. Nach Abschluss erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat, das den Richtlinien des Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbands entspricht. Neben der Vermittlung theoretischer Kenntnisse werden auch praktische Erfahrungen ermöglicht. Fachvorträge werden ergänzt durch Workshops und Gesprächskreise. Themen sind unter anderem: das System Altenheim, eigene Motivation, Demenz, Kommunikation, Rituale, Patientenverfügung, Deutungen von Sterben, Selbstfürsorge sowie Hygiene und Notfallsituation.

Den Ehrenamtlichen im Hospizdienst stehen stets Ansprechpartner im Haus zur Verfügung. Reflexionsgespräche und Supervision werden ermöglicht. Wie viel Zeit man investieren möchte, kann jeder selbst festlegen. Zwei Stunden Zeit für die reine Begleitung plus Zeit für die Supervision sollten jedoch als Minimum gerechnet werden.

Wer Interesse hat, wendet sich an Katja Hatscher, Telefon 02521/82553151; E-Mail: katja.hatscher@johanneswerk.de

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