Studie weist falsche Strompreise aus
Bild: dpa
Mit Verärgerung hat die Energieversorgung Beckum am Montag auf  falsche Zahlen einer Studie zu Strompreisen reagiert. Die Verbraucherzentrale NRW räumte abends den Fehler ein. Aus einer Datenbank waren falsche Zahlen verwendet worden.
Bild: dpa

Das Beckumer Unternehmen hatte in der Studie mit deutlichem Abstand vor anderen Grundversorgern die Negativliste angeführt. Die EVB habe über die Preiserhöhung mehr als das Zweieinhalbfache (266 Prozent) ihrer Zusatzkosten von den Verbrauchern eingetrieben, so der Vorwurf der Verbraucherzentrale. Dass diese Aussage falsch ist, bestätigte Peter Blenkers, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, am Montagabend im Gespräch mit der Glocke. Man habe falsche Werte aus einer Datenbank eines Energiedienstleisters bezogen - für die Verbraucherzentrale selbst ein Super-GAU, weshalb am Montagabend eine Krisensitzung einberufen wurde.

Zum Hintergrund: Die Studie vergleicht die Strompreise für 2700 Kilowattstunden, was dem durchschnittlichen jährlichen Verbrauch eines sparsamen Zwei-Personen-Haushaltes entspricht. Im Tarif „evivo Treu und Sicher“ wies die Statistik für die Energieversorgung Beckum einen Wert von 923,52 Euro auf. Der richtige Wert, so erklärte Vertriebsleiter Thomas Henrichmann, liege bei 776,07 Euro. Peter Blenkers bestätigte, dass der Preis um 19 Prozent zu hoch veranschlagt worden sei. Mit den richtigen Zahlen stünde das Beckumer Unternehmen deutlich besser dar. „Das bedrückt uns sehr“, bedauerte der wissenschaftliche Mitarbeiter.

Nachdem die Studie von der Internetseite der Verbraucherzentrale entfernt worden ist, berät die Verbraucherzentrale darüber, wie der Fehler korrigiert werden kann. Thomas Henrichmann von der EVB hatte schon am Montagnachmittag vehement auf eine Richtigstellung gedrängt. „Diese Zahlen entbehren jeder Grundlage“, war sich der Vertriebsleiter sicher gewesen.

Zahlreiche Kunden riefen nach Veröffentlichung der Studie im Radio und im Internet bei der Energieversorung Beckum an, um ihrem Unmut Luft zu machen. „Das Telefon stand nicht still“, sagte Henrichmann, der einen Imageschaden für das Unternehmen befürchtete.

Hälfte der Anbieter gibt Umlagen komplett weiter oder nimmt noch mehr

Etwa die Hälfte der Anbieter in der NRW-Grundversorgung hätten die Zuwächse durch die gesetzlichen Umlagen komplett an die Kunden weitergegeben oder die Preise sogar noch stärker erhöht, sagte VZ-NRW-Vorstand Klaus Müller gestern in Düsseldorf. Nach Müllers Worten war es der bundesweit erste umfassende Preis-Check nach einer Strompreis-Erhöhungswelle.

Anfang 2013 war die EEG-Umlage deutlich auf 5,3 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Hinzu kamen weitere gesetzliche Erhöhungen. Die gerechtfertigte Zusatzbelastung wegen der Ökostrom-Zulagen liege für einen Zwei-Personen-Haushalt mit 2700 Kilowattstunden Jahresverbrauch bei gut 70 bis 80 Euro. Einzelne Versorger hätten aber deutlich mehr aufgeschlagen, vor allem die BEW Wipperfürth (plus 178 Prozent) und der DEW Dortmund (plus 156 Prozent). RWE, als Grundversorger für 167 NRW-Kommunen von besonderer Bedeutung, nehme immerhin 129 Prozent mehr als angemessen.

Wie die EVB gaben auch die Stadtwerke Ahlen und Gütersloh sowie die Energieversorgung Oelde nicht einmal ihre gesamten Zusatzkosten an die Kunden weiter.

SOCIAL BOOKMARKS