Tolles Theater, ehe der Vorhang fällt
Foto: Giebat
Das Bühnenbild musste auf ein Minimum reduziert werden, um den Corona-Anordnungen zu genügen. Das Bild zeigt (v. l.) Claude (Samet Dündar), Anna (Meike Wiemann) und Vincent (Tobias Winopall).
Foto: Giebat
Die Anzahl der Aufführungen musste von ursprünglich fünf auf zwei gekürzt werden. Ein durch Corona-Verordnung reduziertes Publikum saß mit Gesichtsmasken und auf Abstand im Zuschauersaal. Das Szenenbild war wegen eben dieser Verordnung so zugeschnitten worden, dass die Darsteller Beziehungen und Gefühle auf Distanz vermitteln mussten.
Und dennoch: Diese Premiere wurde doch noch zu einer Feier für alle, die Theater zu schätzen wissen: Endlich eine Gelegenheit für das Publikum für Theater live. Und für die Darsteller und ihre Regisseurin Nadine Althoff die Freude, ihre Produktion doch noch auf die Bühne bringen zu können. Sprechen wir nicht über den Film von Alexandre De La Patellière und Matthieu Delaporte in der deutschen Version. Filou holte sie in der Reihe „Back to the Stage“ ins Stadttheater. Der Stoff beginnt als ein Spiel mit Worten um Namen und Namensgebung. Ist gelegentlich sogar witzig. Die Handlung, wenn man sie denn so nennen kann, wächst sich aus in Streitereien unter Familien und ihren Mitgliedern. Nach dem Motto: „Was ich dir immer schon einmal ins Gesicht sagen wollte!“ Die Figuren haben nur eine Aufgabe. Sie müssen sich die Stichwörter im Ablauf der Dialoge zuspielen. Sie sind in ihren Rollen klischeehaft eingebunden, ohne sich verändern oder gar entwickeln zu können. Aber genau hier ist die Stelle, die die Aufführung zu einem Genuss machte.
Eine Herausforderung, die das Ensemble mit Engagement und Disziplin hervorragend löste. Andreas Meschede demonstrierte auf geniale Weise den großmäuligen, allwissenden Literaturprofessor. Samet Dündar überzeugte als harmoniebedürftiger Freund der Familie, dem jeder Streit eine Schlichtungsaufgabe war. Der werdende Vater Vincent erhielt durch Tobias Winopall die schwer durchschaubare Fassade des Provokateurs, die schließlich zusammenbricht. Meike Wiemann ließ seine Ehefrau Anna zwischen zur Schau getragenem Selbstbewusstsein und Verletzlichkeit balancieren. Kati Peterleweling spielte souverän und auf anrührende Weise die unverstandene Elisabeth, die sich von allen ausgenutzt fühlte. Eine gelungene Premiere, der leider nur eine Vorstellung folgen durfte.

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