Vince Ebert gibt dem Zufall eine Chance
Bild: Krogmeier
„Zufällig erfolgreich“, unter diesem Thema stand der Vortrag von Vince Ebert.  Unser Bild zeigt (v. l.) Sparkassenvorstand Jürgen Wenning, Bürgermeister und Verwaltungsratsvorsitzenden Dr. Karl-Uwe Strothmann, Vince Ebert und Sparkassenvorstandsvorsitzenden Dieter Müller.
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Warum die Welt nicht berechenbar ist, das zeigte der bekannte Diplomphysiker und Kabarettist in seinem Vortrag in Beckum ebenso auf, wie die Chancen, die der Zufall bieten kann.

„Zufällig erfolgreich“, zu diesem reizvollen Thema hat Vince Ebert am Dienstagabend auf Einladung der Sparkasse Beckum-Wadersloh vor deutlich mehr als 700 Besuchern im Eventcenter am Tuttenbrocksee gesprochen. „Ebert verbindet Dinge, die scheinbar nicht zusammenpassen“, machte Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Dieter Müller bei der Begrüßung deutlich. Er verbinde Wirtschaft und Humor, Fakten und Faxen.

Und Müller hatte nicht zuviel versprochen: Ebert klärte seine begeisterten Zuhörer mit humorvollen Beispielen aus Naturwissenschaften, Neuromarketing und Chaostheorie darüber auf, welche Strategien für die Unternehmen von Nöten sind, um auf solche unberechenbaren Ereignisse zu reagieren, flexibel und innovationsfähig zu bleiben.

„Gerade Zufälle sind absolut notwendige Bedingungen für Fortschritt und Innovation“, ließ Ebert keinen Zweifel aufkommen. Schließlich baue auch die Evolution auf dem Prinzip des Zufalls auf. „Also geben auch Sie dem Zufall eine Chance“, appellierte er an die Zuhörer.

Viele Bereiche seien nicht sicher vorhersehbar, wirtschaftlicher Erfolg nicht genau planbar. In der Wissenschaft gebe es kein endgültiges Wissen. „Wenn etwas funktioniert, wird es beibehalten, sonst nicht“, zeigte er erneut die Parallelen zur Evolution auf.

„Innovationen lassen sich nicht vorhersagen, erfolgreiche Unternehmen waren in der Vergangenheit die flexibelen, offenen und kreativen“, stellte der Kabarettist fest, „wer Erfolg haben will, muss auch bereit sein, Fehler zu machen.“ Genau diese „Lust am Fehler“ vermisst Ebert in Deutschland: „Wir überschütten hier alles mit Regeln und Gesetzen, wir sind übervorsichtig und überreguliert und haben Angst, Fehler zu machen.“ Dass er das mit humorvollen Beispiel belegen konnte, war klar. Hauptstadtflughafen in Berlin oder Raucher-ecken auf Bahnhöfen sorgten für beste Unterhaltung.

„Menschen können doch denken! Ich bin immer wieder erstaunt, warum so wenige es machen“, lautete ein Fazit, das Ebert in Beckum zog.

Probleme werden mit Kreativität gelöst

„Geben Sie dem Zufall eine Chance!“ Diesen Ratschlag gab Vince Ebert am Dienstagabend seinen begeisterten Zuhörern mit auf den Nachhauseweg. Komplexe Systeme haben seiner Meinung nach keinen Masterplan, Freiheit, Fortschritt und Innovationen gebe es nur bei Unberechenbarkeit. „Wer in Unternehmen alle Risiken wegoptimiert, der beraubt sich seiner Chancen“, stellte der Kabarettist fest, man müsse flexibel und offen für Neues bleiben. „Wenn wir Menschen niemals etwas Bescheuertes getan hätten, dann wäre auch nichts Vernünftiges auf der Welt entstanden“, forderte er das Zulassen von Kreativität auch in den Unternehmen. Effizienz sei das Gegenteil von Kreativität, dafür benötige man Zeit. „Flexibilität, Phantasie und Kreativität gehen auf Kosten der Effizienz verloren“, mahnte er an.

Und noch einen wichtigen Punkt sprach der Physiker in Beckum an: „Nachhaltiges Leben löst unsere Zukunftsprobleme nicht!“ Um zu einer Lösung der Probleme zu kommen, müsse es auf der Welt mehr Kreativität und Kooperation geben. „Wer nur über das Verzichten redet, der geht davon aus, das uns nichts mehr einfällt“, führte Ebert aus, „die Steinzeit ist aber auch nicht zu Ende gegangen, weil es keine Steine mehr gab.“

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